Willkommen auf dem Weg der Mitte

Nun habe ich mich also entschlossen, mich in das große Heer der Blogger einzureihen.

“Einzureihen” ist natürlich der falsche Ausdruck, denn wer sich einreiht, ist uninteressant. Und das ist für einen Blog wohl der Anfang vom Ende.

Also, zurück auf Anfang. Ich möchte meinen eigenen Blog starten. Da stellt sich natürlich zunächst die sich geradezu aufdrängende Frage:

Warum? Um Himmels Willen, WARUM?

Es gibt doch schon genug Zeitgenossen, die im Netz unterhaltsam oder langweilig über alles Mögliche schreiben, Podcasts erstellen oder sogar Videos präsentieren.

Es werden sich die Finger wund geschrieben und der Mund trocken geredet. Wer soll das alles lesen, hören und sehen? Und das in einer Zeit, wo die Menschen untergehen in Hektik und Stress. Sie verlieren sich in gesteigerten zum Teil sinnfreien Anforderungen im Privat- und Berufsleben und den vielen Zivilisationsnebenwirkungen unserer Zeit.

Eric, spare dir daher die Zeit und Energie. Hoffe, dass deine Ideen und Erkenntnisse nicht so wichtig sind oder wenn doch, sie von anderen erwähnt werden.

Keine schlechte Idee, oder? Ich könnte diesen Blog dann gleich wieder beenden mit dem Hinweis:

Hier könnte ein Blog stehen, aber mir fehlt eigentlich die Zeit, Kraft und Motivation dafür. Und außerdem sind andere genauso gut oder besser als ich. Deswegen empfehle ich folgende Seiten: … PS: Alles wird gut!

Zugegeben, das wäre eine vertretbare Alternative zum eigenen Blog. Niemand würde mir vermutlich einen Vorwurf machen.

Aber es wäre mir auch irgendwie zu billig. Vielleicht sollte ich doch noch etwas Zeit, Kraft und Motivation aufbringen?! Will ich doch, wie jede(r) andere, die Welt etwas beeinflussen und in meinem Fall sogar positiv.

Neue Blickwinkel auf der Suche nach Glück

So bin ich doch davon überzeugt, dass mein Blog eine Existenzberechtigung hat. Denn hier möchte ich einen besonderen Weg vorstellen: den Weg der Mitte.

Ein Weg, der die Kräfte von Yin und Yang versucht in Einklang zu bringen und jedem die Möglichkeit bietet, sein Leben und die Welt etwas objektiver und positiver anzugehen.

Die uns alle tagtäglich tangierenden Extreme, ob im realen Leben oder “nur” in den Medien, schreien nach neuen Blickwinkeln.

Man hat heute den Eindruck, dass alles schneller, emotionsloser und oberflächlicher wird. Von allem und jedem wird Wachstum gefordert, es geht um Budgets und Effizienz. Am besten noch zertifiziert und geprüft. In der Vergangenheit hart erarbeitete Werte werden aufgeweicht und Menschen mit “Rückgrat” sterben aus, wie einst die letzten Dinosaurier.

Überall wird getrickst und Schwache bleiben auf der Strecke. Gestresst und ausgebrannt sind wir süchtig nach Unterhaltung. Grenzen des guten Geschmacks werden immer mehr ausgereizt. Und viele leben möglichst weit weg von der Realität.

Wer kennt es nicht: schaut man von seinem Smartphone auf, blickt man in blasse Gesichter, deren Blicke am Smartphone kleben!

Aber es gibt auch die andere Seite: Menschen, die uneigennützig für die Gesellschaft arbeiten. Menschen, die sich für Kinder oder ältere Menschen einsetzen. Oder in Bereichen wie Umweltschutz, Sport oder Kultur.

Und nicht zuletzt Menschen, die einfach “nur” für ihre Familie und Freunde da sind. Wer aufhört zu jammern und genau hinsieht, der findet sie: Menschen, die ein Lächeln übrig haben und helfen.

Dieser Blog ist gedacht für Menschen, die ihre eigene Innere Mitte suchen. Eine Mitte zwischen den inneren und äußeren Extremen. Ich glaube, dass Ausgleich und Harmonie zum Glück und zu einer starken Lebenskraft (Qi) führen und möchte meinen Besuchern diese Philosophie näher bringen.

 

Wer hat die Zeit erfunden?

Ich frage mich manchmal, wer eigentlich so vermessen war und die Zeit erfunden hat?

Platon, Aristoteles oder Newton? Es muss auf jeden Fall schon einige Zeit her sein und derjenige hat vermutlich schon lange das Zeitliche gesegnet. Er (oder sie) hat vermutlich also nicht mehr viel damit zu tun, aber wir müssen uns mit der Zeit herumschlagen.

Wir müssen zuschauen, wie die Zeit verrinnt und wir immer älter werden. Am Anfang unseres Lebens empfinden wir dies natürlich gegenteilig, wir möchten schnell erwachsenen sein und Auto fahren oder spät ins Bett gehen.

Ist man aber erst einmal 20 Jahre alt, geht es verdammt schnell mit dem Altern. Ausbildung oder Studium sind markante Ziele, auf die man zuarbeitet und dabei die Zeit vergisst. Und schon hat man die 30 erreicht.

Ziel erreicht aber dabei die Zeit vergessen

Man geht die nächsten Ziele an. Familiengründung oder Heirat, Häusle bauen oder noch einmal Weiterbildung und zweites Studium. Der Bauch wird dicker und die Haare fallen aus. Zumindest bei den Männern. Und auch am oftmals hübschen Geschlecht nagt der Zahn der Zeit.

Hat man erst einmal Kinder, sieht man die Zeit rein optisch verstreichen. Wer Kinder hat, der  kann dem Nachwuchs beim Wachsen zuschauen, wie einem frisch gedüngten Rasen nach einem Sommerregen.

Gestern noch einen Wurm im Kreissaal auf dem Arm und heute schon die Schultüte am basteln. Und wer glaubt, dass es mit 40 wieder langsamer wird, der sollte sich einmal mit Menschen dieses “hohen” Alters oder darüber unterhalten. Die meisten sagen, je älter man ist, desto schneller vergeht die Zeit.

Kein Wunder, sind wir doch heute eingespannt in eine Routine zwischen Arbeitsleben und Privatstress. Der Film Groundhog Day oder auf Deutsch “Und täglich grüßt das Murmeltier” ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Und nicht nur, weil er eine amüsante Komödie ist, sondern weil er einen wahren Kern hat:

Eingespannt im Alltag kommt einem jeder Tag wie der andere vor.

Und obwohl wir damit nicht wirklich zufrieden sind, haben wir oft nicht die Kraft und die Idee für Abwechslung. Wir verrennen uns in berufliche und private “Projekte” und bemerken gar nicht, wie wir diese Ziele vielleicht erreichen dies aber gar nicht wahrnehmen. Warum? Weil schon wieder neue Ziele entstanden sind. Die Zeit verrennt dabei immer schneller.

Wieder neue Eindrücke sammeln

Das ist für viele ein echtes Problem, aber es gibt eine Methode, ein langsameres Zeitgefühl zu entwickeln. Sie ist eigentlich ganz logisch: Es ist wichtig wieder neue Erfahrungen im Leben zu sammeln. Grenzen zu überwinden und neue Eindrücke und Implulse zuzulassen. Ein wenig heraus aus der Comfort Zone.

Dies muss nicht mit extremen neuen Erfahrungen geschehen, sondern kann auch mit kleinen Überraschungen und neuer Achtsamkeit für das Leben um uns herum erfolgen!

Der Grund warum einem die Kindheit und Jugend im Rückblick so lange vorkommt, liegt wohl genau darin begründet. Man hatte jeden Tag neue Erfahrungen: das erste Gänseblümchen gepflückt, das erste Eis gegessen, die erste Fahrradtour und der erste Kuss. Dies alles waren Ereignisse, die sich in unserem Gedächtnis einbrannten und uns heute suggerieren, dass die Zeit damals langsamer verging.

Neue Erfahrungen sind nicht nur jungen Menschen vorbehalten.

So kann man natürlich auch als Mensch mittleren und reiferen Alters neue Erfahrungen sammeln (oder bereits vergessene wieder mit Leben füllen!) und dabei ein langsameres Zeitgefühl erreichen.

Was man dabei sucht und findet, ist jedem selber überlassen. Der eine braucht den besonderen Kick und macht Bungeejumping, dem anderen reicht auch Wandern, Inlinern oder ein neues Kartenspiel zu erlernen.

Manchmal muss man sich selbst überreden

Dabei muss man sich durchaus manchmal selber überreden und sich aus der Routine hinaus trauen. Wir kennen das doch alle: man hat keine Lust auf eine Party, weil man dort nur wenige kennt. Man raffft sich auf und geht hin mit dem Vorsatz: heute wird es aber nicht spät, ich geh´nur mal nett gratulieren und bin dann wieder durch die Türe.

Und dann? Dann wird es total lustig und doch spät, richtig spät!

Am anderen Tag redet man begeistert von den netten und coolen Menschen, die man dort kennen gelernt hat. Je weniger man erwartet, umso höher sind die Erfolgschancen.

Neue Erfahrungen können überall sein.

Gartenarbeit mit neuen Pflanzen, neue exotische Früchte im Garten anpflanzen, interessante Ausflüge an neue Orte, Geocaching oder ein Haustier (was allerdings wohl überlegt sein sollte!). Reisen in Regionen, die man bisher nicht kannte. Oder ein Campingurlaub für bisherige 5*-Hotelsnobs.

Neue Sportarten entdecken, ein neuer Job oder neue Freunde finden. Die Liste der Dinge, die ein Leben verändern und bereichern können, ist nahezu unendlich.

Unsere Zeit allerdings nicht!

 

Wo beginnt Lebensqualität?

Ein Begriff, der einem immer wieder begegnet ist: Lebensqualität. Ein schöner Begriff, denn er bringt zwei wichtige Elemente zusammen.

Ab wann spricht man aber von einem Leben in Qualität?

Jeder Mensch ist auf der Suche nach Glück. Ein glückliches Leben ist wahrscheinlicher, wenn wir es in einem Umfeld erleben, dass unseren persönlichen Qualitätskriterien entspricht.

Diese Glückskriterien definiert jede(r) anders.

Eigentlich wollen wir alle das Gleiche

Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn wir Menschen sind uns in vielen Punkten weiteraus ähnlicher, als wir uns zugestehen möchten.

In einer Zeit, wo jeder nach der individuellen Selbstverwirklichung sucht, werden eher die Unterschiede betont. Jede(r) hat mindestens ein Lebenskonzept auf Lager und will sich abgrenzen von der Masse.

Wir wünschen uns aber meist alle das Gleiche: Freizeit und Flexibilität, finanzielle Absicherung, eine gute Beziehung und ggf. einen gut gelungenen Nachwuchs, der es mindestens so weit bringt wie seine Eltern.

Einen möglichst angesehenen Job der halbwegs Spaß macht und was einbringt. Dazu noch ein angenehmes familiäres, soziales und sicheres Umfeld, saubere Umwelt und gesunde Lebensmittel.

Nicht zu vergessen: günstige Spritpreise und schnelles Internet.

Natürlich auch nette, coole Freunde und Bekannte, sowie genug Zeit und Möglichkeiten für Hobbys.

Und natürlich gaaanz wichtig: Gesundheit!

Gesundheit ist das wichtigste Gut. Das hat mittlerweile fast jede(r) verstanden.

Wenn wir hinter diese Punkte auf unserer Liste ein grünes Häkchen machen können, haben wir also eine hohe Lebensqualität!

Viele Menschen haben das, sind aber trotzdem nicht glücklich. “Hohe Lebensqualität” ist also nicht gleich “Glücklich”.

Es gehört neben diesen klassischen Wünschen, die jede(r) hat und einfach zu definieren weiß, auch etwas mehr.

Sport, Lebensphilosophie und ein gutes Buch

Zunächst wäre da Sport oder zumindest Bewegung.  Die körperliche Aktivität bildet ein ausgleichendes Gegengewicht zu den Anforderungen der Berufswelt. Im Idealfall an der frischen Luft, sorgt Bewegung für Glücksgefühle – vor, bei und nach dem Sport.

Die Ausschüttung von Glückshormonen ist einer der wichtigsten Motivationsgründe zum Sport. Neben dem guten Gefühl etwas für seinen Körper zu tun.

Natürlich sollte man sich nicht überfordern. Für den Sport gilt das Gleiche, wie für den Job: zu hohe Ziele und Überforderung führen zum Scheitern.

Ebenso wichtig wie Sport für den körperlichen Ausgleich ist eine Lebensphilosophie für den seelischen Ausgleich. Eine gefestigte Grundeinstellung und ein positiver Glaube bieten Halt in unserer unruhigen und fordernden Welt.

Mehrere Studien belegen, dass der Glaube Menschen älter werden lässt und sie auch weniger anfällig für zumindest bestimmte Krankheiten sind.

Wichtig ist auch, dass man sein Herz geöffnet hat und in der Lage ist anderen Menschen Liebe und Mitgefühl entgegen zu bringen. Das klingt einfacher, als es ist. Aber letztlich ernten wir immer nur, was wir selber gesät haben.

Als drittes Element braucht nach meiner Erfahrung der Mensch auch ein geistiges Gleichgewicht. Gute und passende Literatur sollte man sich hin und wieder gönnen. Und das kann auch ein Comic-Buch oder ein sachlich-naturwissenschaftlicher Artikel sein. Einfach das, wonach mein Geist gerade Sehnsucht hat.

Und bei allen drei Elementen gilt: möglichst wenig Druck und eine entspannte Herangehensweise. Wir müssen uns heute den “Luxus” gönnen, ohne schlechtes Gewissen Zeit ins Laufen, Lesen oder in philosophische Gedanken zu investieren.

Denn sonst leben wir zwar in einem lebenswerten Umfeld, wissen dieses aber für unser eigenes Glück nicht in Lebensqualität umzusetzen.

 

Das Glück liegt in der Einfachheit

In einer immer komplizierter werdenden Welt ist es oft die Einfachheit, die glücklich macht.

Unser Verstand ist aber mittlerweile darauf getrimmt nach imposanten, innovativen Dingen zu suchen. Komplizierte Ideen, detailgetreue Technik und modernste Unterhaltung müssen es sein.

Und dann sind wir enttäuscht, wenn etwas zu spät geliefert wird oder nicht so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Schließlich haben wir uns so darauf gefreut und dabei noch reichlich Geld investiert.

Perfekt und Detailgetreu

Wenn ich mir anschaue, wie detailgetreu heute Playmobil und Lego sind, finde ich das im ersten Moment phantastisch. Ich könnte meinen Kindern (und mir selbst) das ganze Haus mit diesen tollen Spielsachen zustellen: Wikinger-, Ritter-, Elfen- und Wildwestwelten – alles perfekt bis ins Detail.

Und dann wird mir bewusst, dass unsere Spielsachen in den 80er Jahren mindestens genauso schön waren. Das was nicht da war, wurde durch Phantasie ersetzt. Diese Zeit kriegt man natürlich nicht mehr zurück.

Wobei man natürlich noch mit dem alten Spielzeug spielen kann, sofern man es aufbewahrt hat. Ansonsten gibt es Kleinanzeigen bei Ebay und Flohmärkte. Es gibt sie also noch, die Überbleibsel aus dieser Zeit. Genauso wie man eine Folge von Hart aber Herzlich, Magnum oder Trio mit vier Fäusten im TV anschauen kann.

Retro ist cool – und zwar völlig zu Recht.

Trotzdem leben wir heute in einer anderen Zeit. Mit all ihren Vor- und Nachteilen. Wichtig ist, dass wir nicht zu hohe Maßstäbe setzen und zu perfektionistisch werden.

Ich kann manchmal im Alltag durchaus verzweifeln und stelle mir die Frage: Warum? Warum muss laufend ein neues Softwareupdate herauskommen? Und wo sind die intuitiv bedienbaren Menüpunkte hin, mit denen ich bisher so gut arbeiten konnte?

Warum nur muss alles immer weiterentwickelt werden und wird dabei eigentlich immer nur komplizierter? Welche hypernervöse und verquer denkende Personengruppe hat man im Vorfeld dazu befragt oder als Tester engagiert.

Auf dem Teppich bleiben

In einer Zeit wo sich jeder trumpfen will, ist das auf dem Teppichbleiben schwierig. Immens sind oft die gesellschaftlichen Zwänge mithalten zu müssen oder besser noch einen drauf zu setzen.

Dabei ist ein Kindergeburtstag mit spannender Schatzsuche im Wald doch manchmal spannender als professioneller Fotoshoot mit den zukünftigen Models oder der teure Besuch im Freizeitpark. Dies gilt natürlich auch für die in Mode gekommenen “Give Aways”, die immer größer werden.

Es liegt wohl leider in der Natur des Menschen. Aber Wachstum ist nicht unendlich und irgendwann macht es einfach keinen Sinn mehr sich nach oben hin abzusetzen. Dann ist es wieder Zeit für Bescheidenheit und Rückbesinnung auf alte Werte.

Es ist wie beim Essen. Der konzentrierte Genuss eines Bio-Apfels oder einer Frucht aus dem eigenen Garten kann mehr Begeisterung und Gefühl hervorrufen, wie das gesamte Massenbuffet des All-You-Can-Eat-Restaurants.

 

Freizeitstress im Land der Perfektionisten

Es ist schon merkwürdig: unterschiedliche und von einander unabhängige Umfragen belegen, dass die Deutschen mittlerweile mehr unter Freizeitstress leiden, als am Stress im Job.

Wenn man sich anschaut wie hart und erbarmungslos die Berufswelt geworden ist, kann einem bei diesem Ergebnis Angst und Bange werden.

Wie soll es denn möglich sein, diesen Stress ausgerechnet in der Freizeit noch zu steigern?

In den durchschnittlich 4 Stunden Freizeit am Tag  fühlen sich vor allem junge Menschen schlapp, müde und ausgepowert. Gerade die sollten aber doch voller Kraft sein und mit ihrer Energie die überalternde Gesellschaft bereichern, oder?

Der Zwang der immanenten Erreichbarkeit

Tablets, Computer und Smartphones spielen bei der Freizeitgestaltung heute die dominierende Rolle. Sie “helfen” bei der Terminplanung, nehmen aber auch jeglichen Spielraum für Nichterreichbarkeit und Loslassen.

Heute ist man durch sein Smartphone quasi immer für Familie und Freunde erreichbar. Aus diesem vermeintlichen Vorteil wird aber auch ein Zwang. Und Zwänge sind selten gesundheitsförderlich. So rast man gehetzt und angespannt durch den Tag. Immer unter Druck es allen recht zu machen und ein produktives Gesamtergebnis am Abend vorzuweisen.

Hier noch was liken, da noch einen Link teilen und dem muss ich ja noch gratulieren. Geschafft! Pieps! Schnell noch antworten auf das schöne Urlaubsfoto, welches mein Kumpel in der gemeinsamen Gruppe gepostet hat. Geschafft! Oh er schickt schon wieder eins…

Keine Frage: das macht alles im gewissen Rahmen Spaß. Smartphones und Apps sind nicht nur schlecht. Sie sind aber auch nicht nur gut. Und sie tragen eine nicht zu unterschätzende Suchtgefahr in sich.

Wir sind alle mittlerweile so auf Produktivität getrimmt, dass uns durch die Immanenz von Reizen und erforderlichen Reaktionen massenhaft Energie verloren geht. Wir haben dazu einen Durst nach Information, der immer wieder gestillt werden will.

Dehydriert lesen wir die neuesten Meldungen unserer abbonierten Newsportale. Und vergessen dabei vielleicht sogar die physische Flüssigskeitszufuhr.

Da kommt endlich die E-Mail, auf die ich schon lange gewartet habe. Pieps! Ein Familienmitglied hat mir gerade einen Termin in unserem gemeinsamen synchronisierten Kalender reingeschoben. Aber da kann ich doch eigentlich nicht, ich war nur zu nachlässig den Termin einzutragen…

Upps, das gibt Stress.

Das Leben geht auch mal ohne App

Willkommen in der Gesellschaft der durchstrukturierten Perfektionisten. Wer hat die meisten Hobbies, wer die meisten Zertifikate und wer läuft am schnellsten seinen Marathon?

Motivation und Leistungsanreize sind gut. Wir dürfen uns aber nicht darin verlieren!

Und wenn jemand zusammenklappt am Leistungsstress oder durchdreht ist man schockiert. Man zeigt Bestürzung … und … postet es. Gestern habe ich es im Radio gehört: Rettungskräfte kommen nicht an die Unfallstelle, weil Schaulustige mit ihrem Smartphones alles filmen.

Irgendetwas in mir sagt, dass das nicht richtig sein kann.

Wer kann denn noch Momente der Muße genießen und seine Gedanken ohne schlechtes Gewissen unproduktiv kreisen lassen? Gerade das Schweifen und Tagträumen ist aber wichtig, denn daraus entstehen oft die besten Ideen. Genauso wie das in sich ruhen und das Aufnehmen der mich soeben real umgebenen Umwelt.

Daher: schwingt euch auf eurer Fahrrad und fahrt ein paar Kilometer. Egal wieviele. Setzt euch auf eine Bank und hört die Vögel zwitschern und spürt den Wind um die Nasenspitze wehen!

Lasst aber die App stecken, die euch sagen kann welche Vogelart da zwitschert und wann das vor euch sitzende Exemplar eine Gimpels Geburtstag hat.

Geht im Wald laufen. Aber ohne App, die euch errechnet wieviel Zeit ihr pro Kilometer gebraucht habt und wieviel Schweiß eure Haut dabei ausgeschieden hat. Zumindest heute mal.

Gönnt euch zwischendurch mal eine Auszeit!

 

Die 80-Prozent Regel

Wissenschaftlich nennt man es auch das Paretoprinzip, benannt nach dem italienischen Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto (1848 – 1923).

Dieser  Wissenschaftler hat eine geniale Regel formuliert und sie ist in vielen Themen und Situationen anwendbar. Die 80-Prozent-Regel besagt, dass man 80% eines Ziels mit nur 20% Aufwand erreicht.

Die verbleibenden 20% eines Ziels erreicht man allerdings nur noch mit 80% Aufwand. Sprich: Wenn du unbedingt 100% erreichen möchtest, dann musst du auch 100% (oder mehr geben).

Gibst du dich mit 80% zufrieden, dann reicht ein Fünftel an Aufwand!

 

Mit einem Fünftel an Aufwand zum Ziel

Ich glaube es ist kein Zufall, dass Vilfredo Pareto Italiener war, denn die Italiener sind ein kluges Volk und haben eine bedeutende Kultur, Musik, Architektur und Kochkunst entwickelt. Den Ruf von Perfektionisten haben sie unter anderem uns Deutschen überlassen.

Perfektionisten brauchen sie auch nicht sein, denn sie gelten als Lebenskünstler und Genießer, die trotzdem im Vergleich zu anderen Ländern, eine hohe Produktivität besitzen.

Innovation braucht Freiraum und Muße. Zwang, Druck und stumpfes Arbeiten nach Zielerreichungsquoten ist dagegen Gift für Kreativität und auch die Gesundheit.

 

Wo wir Abstriche machen entscheiden wir selbst

Perfektionistisch wollen hierzulande und heutzutage viele sein. In manchen Bereichen muss man das auch sein. In vielen Bereichen reichen aber auch die 80%. Die Kunst zu erkennen wo, dass ist die einzige Schwierigkeit.

Wo wir unseren Aufwand kürzen, dass müssen wir selbst entscheiden. Dann gewinne ich im Fußball halt nur 2:1, statt 5:1. Dann schreibe ich in der Schule halt mal eine 3. Oder dann habe ich halt mal Grünzeug ohne Aufenthaltsgenehmigung (manche nennen es Unkraut) in meinen Terrassenfugen. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Zum heutigen Tag der Arbeit sollten wir uns diese Regel verinnerlichen. Setze ich nur 20% ein, akzeptiere etwas Schwund und genieße dafür mehr Freizeit und Lebensqualität, sollte das doch ein guter Deal sein!