Mexikanische Mentalität

Wer als Tourist den Menschen, die er unterwegs trifft, respektvoll und höfflich gegenübertritt, kann eigentlich kaum etwas falsch machen. Man sollte auch immer daran denken, daß das eigene Verhalten mit dem Land, aus dem man kommt, in Verbindung gebracht wird und damit dazu beitragen kann, Vorurteile ab- aber auch aufzubauen.
mexikanische flagge
Flagge von Mexiko
So wie man alle Deutsche (Bayer, Friese, Sachse, Schwabe usw.) nicht über einen Kamm scheren kann, so wenig kann man es bei den Mexikanern machen. Jede Region hat ihren Menschenschlag und Mentalität, mit den ihr eigenen Charakteren. Hinzu kommt noch, daß es noch mal Unterschiede durch die Rasse und die Gesellschaftsklassen gibt. Natürlich gibt es immer regionale Unterschiede und die Menschen in der Stadt sind in manchen Dingen liberaler als auf dem Land.
Die Mexikaner aus Monterrey, sind als fleißig, zielstrebig und geizig bekannt, die Leute aus Chihuahua gelten als ernst und direkt und die aus Puebla und Guadalajara als konservativ und verschlossen. Chilangos (die Menschen aus Mexico City) seien sehr kosmopolitisch und weltoffen, die Yucatecos gelten zuweilen als etwas langsam und träge und zu alle dem macht man Witze über sie, wie bei uns über die Ostfriesen.
Die Menschen aus Veracruz (Jarochos) gelten als leichtlebig und immer gut gelaunt und die aus dem Bundesstaat Guerrero haben zuweilen einen Ruf, wie bei uns die Sizilianer, temperamentvoll, zuweilen leicht reizbar und schnell mal mit den Fäusten bereit. Indios gelten als scheu und zurückhaltend, die lieber auf den Boden schauen als einen in die Augen und die Weißen (möglichst rein spanischstämmig) gelten als arrogant.
Also, Vorurteile und Klischees, wie wir sie hier auch, über unsere eigenen Landsleute, je nachdem aus welchen Gebiet sie kommen haben.

Gute Umgangsformen

Manchmal hat man das Gefühl das immer mehr Deutsche Höflichkeit als obsolet empfinden. Dies trifft auf keinen Fall in Mexiko zu. Wer sich nicht benehmen kann, ist unten durch wird ignoriert und möglichst gemieden. Vor allem beim Kennen lernen sowie bei offiziellen Anlässen, Behördengängen etc. wird sogar eine gewisse Förmlichkeit sehr geschätzt.
Dies äußert sich z. B. in Floskeln wie ¡Pase adelante! (“Treten Sie doch ein!”, vorher sollte man selbiges denn auch nicht tun) oder ¡Con permiso! (“Gestatten Sie!”, etwa wenn man sich durch den vollen Bus drängelt). Im Gegensatz zu uns begrüßt man sich viel mehr und öfters, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch wenn man ein Geschäft, eine Tankstelle oder ein Taxi betritt. “buenas dias”, “buenas tardes”, “buenas noches”, “hola,que tal” sind Grußfloskeln die einen in Fleisch und Blut über gehen sollten. Auch bedankt man sich viel mehr “gracias” y “muchas gracias” sollte man auch öfters sagen um nicht negativ aufzufallen. Bei Begrüßungen gibt jeder jedem die Hand, auch wenn das Ganze dadurch etwas länger dauert. Befreundete Männer umarmen sich oft, Frauen geben sich einen Kuss auf die Wange.
Höflichkeit öffnet in Mexiko Herzen und Türen. Das gilt auch und vor allem in Hotels und Restaurants, aber auch in den Märkten. Ein Kellner, ein Zimmermädchen oder Bote, dem der Tourist arrogant begegnet, wird ihn mit Verachtung strafen! Und Trinkgeld in Mexiko ist mehr als nur eine Anerkennung, oft lebt eine Großfamilie davon.
Die höflichen Umgangsformen, wie sie die Mexikaner pflegen, sind in Deutschland kaum noch üblich. In Mexiko führt der Herr die Dame mit “festem Griff” am Ellenbogen sicher über die Strasse, den Frauen wird die Tür aufgehalten und man läßt ihnen den Vortritt. Wenn es sich nicht gerade um einen “Gigolo” handelt (siehe Link: “Frauen”) läßt es sich kein Mann nehmen in einen Restaurant die Rechnung für die Dame zu übernehmen. Dies abzulehnen kommt einer Beleidigung gleich. Die Bezeichnung “Indio” hört sich für die Mexikaner wie eine Diskriminierung an. Wenn man über einen indianischstämmigen Einheimischen spricht sollte man möglichst den Ausdruck “indígena” benutzen.
Mehr noch als wie bei uns, haben Titel und Namen noch ihre Wirkung. Wer einen Doktor hat, wird statt mit den Namen mit “Doctor” oder “Doctora” angesprochen und auch mit einem Ingenieurtitel, heißt man plötzlich nur noch Sr. Ingeniero. Alle die ein Studium im Bereich Verwaltung oder Wirtschaft absolviert haben, schmücken sich mit dem Titel “Licenciado” und werden auch mit Sr. Licenciado angesprochen. Besonders in den Städten herrscht eine Regelrechte “Licenciado-Kultur”. Der Titel “Lic.” steht vor den Namensschilder fast größer als der Name selbst und er ist wie ein Adeltitel der Neuzeit für die Mexikaner.

Stolz Mexikaner zu sein

Da es im Gegensatz zu Deutschland, in Mexiko kaum eine Vergangenheit gibt, die einen das Nationalgefühl negativ beeinflussen könnte ist man Stolz auf die Flagge, auf die Nation und auf sein Land. Die Kinder lernen die Nationalhymne in der Schule und an den Nationalfeiertagen, hängt fast jeder seine “Bandera” raus.
Deshalb reagieren Mexikaner zuweilen äußerst empfindlich auf Kritik von Ausländern. Sie wissen, sehr gut selbst, woran es im Land mangelt und was nicht richtig läuft und so sollte man die Kritik an den Verhältnissen in ihrem Land ihnen selbst überlassen, andernfalls gilt man schnell als arrogant und besserwisserich.

Gastfreundschaft

Die Gastfreundschaft der Mexikaner ist überwältigend, besonders wenn man sie näher kennen lernt. Jeder Mexikaner fühlt sich geehrt, wenn er einen Ausländer bewirten darf, eine Ablehnung würde er auch von einem Mann als ehrenrührig empfinden. Das heißt nicht, dass der Gast sich danach nicht revanchiert und seinerseits eine Runde Bier oder Tequilla bestellt oder beim nächsten Mal zum Essen einlädt. “Mi casa es tu casa”, “Mein Haus ist dein Haus”, ist in Mexiko wirklich keine leere Floskel.
Übertrieben ausgedrückt, ein Mexikaner würde sein letztes Huhn schlachten, nur um seine Gäste nicht verhungern zu lassen. Die Gastfreundschaft ist heilig und selbst wenn man tagelang zusammenrücken und nachher den Gürtel enger schnallen müßte, eine Gast darf es an nichts fehlen. Bei privaten Treffen verabredet man sich meist in ein Restaurant oder Café. Eine Einladung nach Hause ist bereits ein Zeichen von großem Vertrauen und Verbundenheit.Man sollte aber mindestens zweimal nachfragen, ob es auch Ernst gemeint ist und Tag und Zeitpunkt bestätigen lassen. Ein Gastgeschenk ist durchaus üblich nur Pünktlich sollten sie nicht sein (siehe Link “Zeit”).

Auf dem Weg gebracht

So manche Mexikaner führen einen Touristen auf die falsche Fährte, wenn man sie nach dem Weg fragt. Das Ehrgefühl und die Höfflichkeit verbietet es vielen, eine Absage zu erteilen oder zuzugeben, daß man den Weg nicht kennt. Erkennbar wird dies, wenn man noch mal nachfragt und die Anzahl der Blöcke mit “mas o menos” (mehr oder weniger) oder die Richtung mit “por alla” (ungefähr dort) beschrieben bekommt. Natürlich gibt es auch Mexikaner, die ihnen auch den Richtigen Weg sagen, zuweilen kommt es vor, wenn er Zeit hat, einen sogar bis zu jeweiligen Ort begleitet um sicher zu gehen, das man gut ankommt.

Kinder

Kinder haben in Mexiko absolute Narrenfreiheit – überall! Als Touristen sollte es keinen einfallen, sich im Hotel und im Restaurant, im Bus, Zug oder Flugzeug über lärmende und tobende Kinder aufzuregen oder sich gar zu beschweren. Sie sind die Könige und werden auch so benannte “mi rey”, “princesa” usw. Wenn man mit Kinder reist, müssen die sich darauf gefaßt machen, daß man sie über den Kopf streichelt oder bei der Begrüßung abküßt. Besonders wenn sie blond sind, werden sie wie kleine Engelchen angesehen (ob sie es sind oder nicht :o)
Es lohnt sich, ein Auge auf Kinderkleidung zu werfen. Oft ist sie nicht nur schöner, sondern auch preiswerter als in Deutschland.

Kleider machen Leute

Wie schon unter Kleidung erwähnt: Mexikaner legen viel Wert auf gute Kleidung. In den großen Städten tragen die Damen auch in der größten Hitze Strumpfhosen und jeder Mann, der in einen Angestelltenverhältnis arbeitet eine Krawatte.
Zwar wird das nicht mehr in allen Kreisen so eng gesehen und Touristinnen gegenüber ist man auch etwas toleranter aber man sollte auf keinen Fall in Shorts in ein Restaurant gehen. Es sei den es liegt direkt am Strand oder in einen Badeort.