Kunst und Kultur in Mexiko

Als einwohnerstärkstes Land Lateinamerikas, hat Mexiko natürlich reichlich Talente und sehr viel im Bereich Kunst, Kultur, Malerei, Tanz, Kino und Architektur zu bieten. als Künstler sind u.a. neben vielen anderen Frida Kahlo und ihr Ehemann Diego Rivera sowie auch Francisco Eppens Helguera hervorzuheben.

mexikanische flagge
Flagge von Mexiko

Mexiko hat aber auch weltweit bekannte Architekten hervorgebracht und im ganzen Land sowie insbesondere in der Hauptstadt Mexico City haben sie und hinterlassen sie Spuren moderner und klassischer Architektur.

Mexikanisches Kino war jahrzehnte führend in Lateinamerika und viele Novelas werden noch heute weltweit übersetzt und gesehen. Besonders bekannt ist das Land aber auch für seine temperamentvollen Versionen im Bereich Tanz und Musik.

Prägend waren auch die verschiedenen Kulturen des Landes, wie die Azteken und Mayas. Von den Azteken ist insbesondere der Aztekischen Kalender im Mittelpunkt des Interesses. Zu jeder Fiesta gehören dagegen die Piñata. Besonders beliebt sind auch die bunten Alebrijes.

Mexiko hat also besonders im Bereich der Kunst und Kultur immens viel zu bieten und weder im Land noch bei Mexikanern weltweit wird es daher langweilig.

 

Frida Kahlo

geboren 6. Juli 1907 in Coyoacán, gestorben 13. Juli 1954 in Mexico City.
Magdalena Carmen Frida Kahlo wurde am 6. Juli 1907 als dritte Tochter eines emigrierten Deutsch-Ungarns und einer Mexikanerin in Coyoacán, einem Vorort von Mexico City, geboren. Im Alter von sechs Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung und behält davon eine Behinderung am rechten Bein zurück. Sie ist der Liebling ihrers Vaters, der ihr die Liebe zur Archäologie von Mexiko und der Fotographie Nahe bringt.
Am 17. September 1925, Frida ist gerade 18 Jahre alt, wird der Bus, mit dem sie von der Schule nach Hause fährt, von einer Straßenbahn gerammt. Durch den Aufprall barst eine Haltestange und bohrte sich durch ihren Unterleib. Frida überlebte den Unfall mit 17 Knochenbrüchen, schweren Verletzungen an der Wirbelsäule und einem zertrümmerten Fuß. Durch die schwere Schädigung der inneren Organe und der Wirbelsäule wird sie zeitlebens behindert bleiben und auch keine Kinder bekommen können.
Im Krankenhaus beginnt sie mit ihrer eigenen Überlebensstrategie, Portraits zu malen. Sie bekommt eine spezielle Staffelei geschenkt und ihre Mutter läßt an der Decke einen Spiegel befestigen. So kann sie in einer Art Auto-Therapie ihr eigenes Leiden künstlerisch verarbeitet: Sie malte sich als kleiner, von Pfeilen durchbohrter Hirsch und in einem ihrer berühmtesten Gemälde “Die gebrochene Säule” mit geöffnetem Brustkorb und einer bröckelnden Säule anstelle des Rückgrates. Drei Jahre nach diesen Unfall lernt sie auf einer Party, den schon berühmten und renomierten Maler Diego Rivera kennen und lieben.
Später wird sie sagen: Sie habe zwei große Unfälle in ihrem Leben gehabt. Der eine mit 18 und der zweite, sei ihre Verbindung mit Diego Rivera gewesen. Er war Schöpfer monumentaler Wandbilder, hatte den Ruf eines liebestollen Elefanten und egozentrischen Kunstgenies, das gern ein paar Spritztouren mit willigen Studentinnen unternahm. Durch ihn wird sie gefördert und kommt mit der kommunistischen Partei in Berührung, der sie bei tritt.
Ein Jahr später 1929 heiratet sie, den 21 Jahre älteren Diego Rieviera. Schon kurze Zeit später betrügt er sie mit ihrer eigenen Schwester und willigen Modellen und Kunstschülerinen. 1939 trennt sie sich von ihm und will unabhängig leben. Sie heiratete Diego allerdings ein Jahr nach der Scheidung wieder. Zeitweise wohnten Diegos erste Frau Lupe und Diego mit Frida in einem Haus zusammen. Fridas innere Zerrissenheit, die Zerstörungskraft ihrer Ehe mit Diego Rivera und mehrere Fehlgeburten spiegeln sich in ihren Selbstportes wieder. Sie leidet körperlich und seelisch. Im Verlauf ihrer zweiten Ehe mit Rivera flüchtet sie sich in Liebschaften, Alkohol, Drogen und in ihre Malerei.
Trotz zahlreicher Operationen begleitete sie Rivera auf seinen Reisen in die USA, wo er Aufträge für Wandgemälde erhält. So sind sie 1930 längere Zeit in San Francisco, 1932 mehre Monate in Detroit und 1933 Acht Monate in New York. Als Lew Trotzkij 1937 in Mexiko politisches Asyl erhielt, nehmen Frida und Diego, ebenfalls treuer Anhänger des Kommunismus, ihn für kurze Zeit in ihren Haus in Coyocán auf. Es kommt zu einer kurzer Liebesaffäre zwischen Frida und Trotzki. Trotzki wird auf mysteriöse Weise 1940 ermordet.
Zwischen 1938 und 1939 verzeichnet Frida erste nennenswerte Erfolge mit ihren Bilder. Zu ihrem großen Erstaunen brachten ihre Bilder Geld ein. Sie bekommt eine Einzelausstellung von 25 Werken in New York und sogar der Pariser Louvre erwirbt ein Bild. In dieser Zeit schnitt sie sich die Haare ab und trug Herrenanzüge, als Zeichen der Befreiung. 1939 kommt es zur erneuten Trennung von Diego Rivera. Ab 1952 nimmt der Einfluss von Drogen und Alkohol auf ihr Leben verstärkt zu und verändert ihren Stil. Ihre Bilder werden zunehmend chaotischer und wilder. Sie beginnende innerlich und äußerlich zu Vereinsamen. Ihr Zustand verschlimmert sich zusehends 1953 als es zur Amputation des rechten Fußes aufgrund starker Schmerzen und jahrelanger Krankheit kommt. Im Alter von 47 Jahren stirbt sie am am 13. Juli 1954 im blauen Haus in Coyocán, das heute das Frida-Kahlo-Museum ist.
Trotz ihrer schwerer Krankheit hatte sie ein reges politisches Interesse gehabt und so nahm sie noch 11 Tage vor ihrem Tod, bereits an den Rollstuhl gefesselt und an Lungenentzündung erkrankt, an einer Demonstration gegen den Sturz des guatemaltekischen Präsidenten Guzman durch die CIA teil. Obwohl sie Kommunistin war, betrachtete sie ihre Bilder nicht als politisch; wenngleich sie mitunter Friedenstauben und Marx darstellte.
Ihre Bilder waren später auch von Diego Riveras Werk stark beeinflusst und sie übernahm in ihren Bildern den von ihm bevorzugten, am Kubismus orientierten flächigen, naiv wirkenden Stil. Ähnlich wie Rivera wollte sie mit ihren Bildern ihre mexikanische Identität zum Ausdruck bringen und verwendete häufig Techniken und Themen der mexikanischen Volkskunst. Dies spiegelte sich auch in ihrer Kleidung wieder. Sie trug mit Vorliebe prägkolumbianischen Schmuck und indianische Tracht, vorzugsweise aus Tehuana.
Wer mal in Mexico City ist sollte sich das Geburtshaus von Frida ansehen, in dem sich heute das Frida Kahlo Museum befindet. Das Haus, indigoblau gestrichen (nach alten mexikanischen Volksglauben wehrt diese Farbe böse Geister ab) auch “Casa Azul” genannt, befindet sich im Süden der Stadt in Coyoacan. Das Museum befindet sich fünf Blöcke (ca 600 m) nördlich vom Zocalo von Coyacan an der Ecke Allende/Londres Nr. 247. Zum Zocalo (Plaza Hidalgo) fahren von diversen Metrostationen Stadtbusse und sogenannte Sammeltaxis “Peseros”.

Diego Rivera

geb. 8. Dezember 1886 in Guanajuato, gest. 24. November 1957 in MexicoCity.
Diego Rivera wird am 8. Dezember 1886, in Guanajuato geboren. Als er 8 Jahre alt ist ziehen seine Eltern nach Mexico-City. Hier beginnt er sein Studium an der San Carlos Kunstakademie, das er, nachdem er ein Stipendium erhält in Europa (1907 – 1921) fortsetzt. Richtungweisend für sein künftiges künstlerisches Schaffen werden hier die Landschaftsbilder Paul Cézannes und die kubistischen Experimente Pablo Picassos. 1920 geht er nach Italien um die Kunst der Renaissance zu studieren.
 
Trotz des starken europäischen Einflusses in diesen Jahren, entdeckt er nach seiner Rückkehr 1921 nach Mexico seine Wurzeln. Er entwickelt seinen eigen Stil und Technik in der er europäische Malerei mit folkloristischen und historischen Motiven seiner Heimat verband. Zurück in Mexiko avancierte Rivera zum führenden Kopf der staatlich geförderten Initiative zur Renaissance der Wandmalerei dem “Muralismo”. Die Wandgemälde die in den kommenden Jahren unter seiner Hand entstehen, stellen den bedeutesten Beitrag zur lateinamerikanischen Gegenwartskunst dar. An und in zahlreichen öffentlichen Gebäuden, vor allem in der Hauptstadt, entstanden monumentale Fresken, z. B. im Nationalpalast, im Bildungsministerium und im Palacio de Bellas Artes.

Neben monumentalen Wandgemälde, die über das Leben aus der mexikanischen Geschichte oder Revolution berichteten, malte Rivera auch kleine Gemälde. In ausdruckvollen Farben stellte er das mexikanische Alltagsleben von Bauern und Arbeitern da. Rivera war prominentes Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos und unterrichtete 1927 bis 1928 in Moskau. Die Wandmalereien mit sozialer Thematik, die jederzeit frei zugänglich waren, entsprachen in besonderem Maß seiner demokratisch-pädagogischen Kunstauffassung.

1929 heiratete er Frida Kahlo, die zu den bedeutendsten mexikanischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts zählt. Ihre Arbeit beeinflusste auch Riveras künstlerisches Schaffen, und ihr Porträt begegnet in mehreren seiner Wandbilder. Obwohl er seine Frau verehrte und bewunderte, ließ er sie oft in Stich und betrog sie schon kurze Zeit nach ihrer Hochzeit. Selbst mit ihrer Schwester, die für ihn Model stand beginnt er ein Verhältnis.

Nach seiner Heirat bekommt er verstärkt auch Aufträge aus den USA. Er arbeitet 1930 eine Zeit lang in San Francisco, 1932 bekommt er einen großen Auftrag vom Automobilhersteller Edsel Ford, der ihn nach Detroit führt. In einen Monumentalgemälde stellt er die Arbeiter in den Fordwerken da. Es ist eine Ironie des Lebens, das Diego Rivera, ein überzeugter Kommunist für einen der größten und mächtigsten Industriemagnaten arbeitet aber trotzdem er bringt in dem Gemälde seine eigene Ideologie ein. Rivera sieht in der industriellen Revolution eine Befreiung der Arbeiterklasse. In all seinen Gemälden stellt er die Arbeiter, wie das Zahnrad einer mächtigen Maschinerie da. Niemand stellt eine wichtigere oder höhere Position als der Andere da. Er sieht die Industrialisierung als Wurzel der Verbesserung innerhalb der Sozialen Klassen.
Den nächsten Auftrag bekommt Rivera 1933 für das Rockefeller Center in New York. Er gab den Wandgemälde den Ellenlangen Titel: ” Der Mensch am Kreuzweg, hoffnungsvoll schauend und mit der großen Version auf eine neue und bessere Zukunft”. Noch bevor das Gemälde vollendet. Kommt es zum Eklat zwischen Diego Rivera und Nelson Rockefeller. Rockefeller fragte Diego, ob er das Gesicht von Kommunistenführer Lenin, nicht mit dem einen Unbekannten übermalen könne. Darauf erwidert Diego, im Austausch dafür, würde er dann die Gesichter von Abraham Lincoln und anderen bedeutenden Figuren der amerikanischen Geschichte überpinseln. Man kam auf keinen gemeinsamen Nenner mehr. Der ehehin schon als aufbrausender Freigeist bekannte Diego Rivera, ließ alles stehen und liegen und ging nach Mexiko zurück. Das begonnene Wandgemälde wurde zerstört. Heute existiert nur eine kleinere Version, die 1934, nach seiner Rückkehr aus den USA, Rivera für den Palast der Schönen Künste “Bellas Artes” malte. Diego Rivera starb am 24.11.1957, drei Jahre nach seiner, ebenfalls so berühmt gewordenen Ehefrau Frida Kahlo.

Francisco Eppens Helguera

geb. 1. Februar 1913 in San Luis Potosí, gest. 6. September 1990 in Mexico City.

Francisco Eppens ist einer der bekanntesten Künstler von Mexiko gewesen. Er war insbesondere bekannt für seinen Entwurf des mexikanischen Staatswappens und seine Briefmarkenentwürfe. Eppens wurde für vieler seiner Briefmarkenmotive ausgezeichnet und auch des öfteren von Briefmarkenkongressen als Gast eingeladen. Außerdem war er Maler und Bildhauer.

Francisco Eppens studierte ab 1926 auf dem Instituto Politécnico Nacional und später die Escuela Nacional Preparatoria. Eigentlich wollte er Architektur studieren, wechselte dann aber auf die Escuela Nacional de Bellas Artes wo seine Lehrer Enrique Ugarte (Malerei) und Ignacio Asúnsolo (Bildhauer) waren. Letzterer war besonders bekannt für seine Denkmäler und den Ariel-Filmpreisentwurf.

Er arbeitete u.a. im Bereich der mexikanischen Filmindustrie als Bühnenbildner. Ab 1935 sorge er für seine Briefmarkenmotive für Aufsehen, die weltweit Anerkennung fanden. Er war auch ein bekannter Besucher der Künstlerkneipe Rancho del Artista wo damals viele andere mexikanische Künstler (u.a. auch Diego Rivera) verkehrten.

Er gehörte auch der Liga de Escritores y Artistas Revolucionarios an, als Maler wurde er insbesondere bekannt durch seine Murales u.a. an der Kinderklinik in Mexico City und am Zentralgebäude der Partido Revolucionario Institucional sowie am Teatro Morelos von Aguascalientes. Gemeinsam mit anderen Künstlern legte er auch einen Entwurf zur Neugliederung des Zentrums der Hauptstadt vor.

Das Staatswappen (1968) kreierte er mit Gustavo Díaz Ordaz. Privat war er seit 1947 mit María Lascurain Segovia verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

 

Architektur

Mexikanische Architektur ist so vielfältig, wie das Land und seine Menschen. So wie sich die Rassen über die Jahrhunderte in Mexiko vermischten, so vermischten sich die architektonischen Vorlieben von Azteken, Tolteken, Zapoteken, Mayas usw. mit denen der Spanier und Franzosen, die ins Land kamen.
In den ersten Jahrhunderten nach der Eroberung durch der Spanier, setzten sie architektonisch ein Spiegelbild der alten Heimat in “Nuevo España” dem Land auf. Trotzdem war der Einfluß der Azteken schon bald unverkennbar. Im zentralen Hochland fand der schon unter den Azteken verwendete Vulkanstein “Náhuatl”, den es in den Farben Rosa bis Dunkelbraun gibt starke Verwendung. Noch heute kann man ihn an den kolonialen Gebäuden in Zentralmexiko (Mexico City, Puebla, Querétaro usw.) den Vulkanstein wiederfinden.
Die Gebäude waren nicht nur aus massiven Stein sondern auch im spanischenbarocken und maurisch Stil erbaut worden. Massive Mauern, die das Haus von einer vermeintlichen feindlichen Umwelt schützen und ein Patio (Innenhof), der den Wunsch nach einen, zum Himmel offenen aber zur Straße geschlossenen Raum entgegen kommt.
Der Mexikaner sieht in seinen Haus eine Art Zufluchtstätte, einen Ort wo mit sich und seiner Familie allein sein kann. Große offene Fenster zur Straße, Vorgärten ohne Mauern mit einer Liegewiese oder einen Spielplatz für die Kinder oder gar eine offener, von der Straße begehbarer Parkplatz vor dem Haus sind ihm ein Graus.
Die ersten Häuser hatten zunächst sogenannte mexikanische Erdfarben (braunrot, rot, ocker oder sandfarben) aber von innen wurden sie, nach indianischer Tradition bunt bemalt und dekoriert. Mit der Zeit wurden die hellen und kräftigen Farben auch auf das Äußere der Häuser gebracht – Farbe wurde zum erschwinglichen Luxus des kleinen Mannes. So sieht man heute überall im Land, die Häuser in kräftigen Farben bemalt. Typische spanische Elemente sind geflieste Wände, Treppen, Innenhöfe mit Brunnen, Säulen, Torbögen, Nischen mit Heiligenstatuen und schmiedeeisernes Gitterwerk (speziell vor Fenster zur Straße hin.
Natürlich kann man, wie fast überall auf der Welt, den Baustil der städtischen Häuser, nicht mit dem der Häuser in ländlichen Gegenden vergleichen. So sind die zeitlosen Hütten und Häuser auf dem Land, aus den Baumaterialien der näheren Umgebung und mehr nach den kulturellen und klimatischen Einflüssen gebaut worden und zu deren Entstehung kein Architekt nötig war. So unterscheiden sich die palmengedeckten palapas der Mayas sich von den Holz- und Lehmziegelwänden erbauten cabañas der einfachen Bauern, im Norden Mexikos.
In der rund drei Jahrhunderte umfassenden Kolonialzeit (1521-1821) Mexikos fanden, neue europäische Entwicklungen der Architektur kaum einen Einfluß in den mexikanischen Baustil. Die Häuser wurden Jahrhunderte lang im spanischbarocken bzw. Andalusisch-Maurischen Stil gebaut. Wuchtige Mauern und überladene Barocke Fassaden bestimmten das Bild herrschaftlicher Haciendas und bürgerlichen Wohlstands in den Städten.
Erst im Jahre 1821, endete mit der Unterzeichnung des Plan de Iguala die spanisch geprägte Kolonialzeit und Mexiko öffnete sich neuen neoklassizierten Einflüssen aus Italien und Frankreich. Der französische Baustil wurde unter der Regierung, des Kaisers Maximilians von Habsburg, in Mexiko eingeführt und fand seinen Höhenpunkt unter der Herrschaft des Diktatoren Porfirio Díaz. Besonders viele Häuser im neoklassischen- und Art-nouveau-Stil mit wunderschönen Vitrales (Tiffanyglas) findet man in Mexiko Stadt, rund um die Strasse Alvaro Obregón, in der Colonia Roma und Juarez.
Eine regelrechter Erneuerungsdrang setzte ein und zahlreiche alte Gebäude wurden abgerissen und mußten den neuen Gebäuden weichen, die unter der Regierung Porfirio Díaz entstanden. Seine Vorliebe für alles Europäische und vor allem Französische prägten nicht nur die Häuser, rund um dem Paseo de la Reforma – sondern auch das Centro Historico (Bellas Artes, Palacio de Hierro …). Die Häuser wurden von innen in französischer Manier eingerichtet und auch französisch zu sprechen wurde “in”.
Den Stil der Europäer in Kunst und Architektur zu kopieren änderte sich nach der mexikanischen Revolution 1910. Der erste Präsident nach der Revolution suchte nach einer nationalen Identität und ermunterte die Mexikaner, ihre eigene kulturellen Quellen zu entdecken. Im Jahre 1921 wurde die erste Ausstellung indianischen Kunsthandwerkes in Mexiko Stadt gezeigt und der Bildungsminister José Vasconcelos führte das Wandbild-Programm ein, indem Künstler, wie Diego Rivera, José Clement Orozco und andere den mexikanischen Volk ihre eigenen Wurzeln bildlich vorführten.

Juan O´Gorman

Intellektuelle und Künstler fingen an prähispanische Kunst und indianisches Kunsthandwerk zu sammeln und richteten ihre Häuser im “volkstümlichen” und bunten Indiostil ein – dies fand letztendlich auch in der Architektur seinen Niederschlag. Im Jahre 1932 entwarf der Architekt Juan O´Gorman für das Künstlerehepaar Diego Rivera und Frida Kahlo zwei Häuser. Die zwei Häuser hatten strenge geometrische Formen und standen somit im krassen Gegensatz der vergangenen Baustile. Im Stil waren sie zwar wieder Europäisch angehaucht (Bauhausstil…) aber die bunten und kräftigen Farben spiegelte die mexikanische (indianische) Seele Mexikos wieder.

Luis Barragán

Weit bekannter als Juan O´Gorman, auch über die Grenzen Mexikos hinaus, wurde der Architekt Luis Barragán (1902-1988), oft auch als der “Vater der modernen mexikanischen Architektur” bezeichnet. Folkloristisches oder gar traditionelle Bauweisen wurden von ihm ganz zur Seite gedrängt und statt dessen kamen die leuchtenden Farben, wie sie bei der ländlichen Bevölkerung, schon ehedem sehr beliebt waren in den Vordergrund. Die Linien waren klar und einfach und seine Bauwerke wirken auf dem Betrachter, wie abstrakte Kunstwerke.

Barragán sagte einmal: “Architektur ist nicht nur räumlich, sondern auch musikalisch. Diese Musik wird mit Wasser gespielt. Die Bedeutung der Mauer liegt darin, daß sie vom Außenraum der Straße isolieren. Die Straße ist aggressiv, sogar feindlich: Mauern schaffen Stille. In dieser Stille kann man mit Wasser als Musik spielen. Danach umgibt uns diese Musik.”
Es ist wahr, die Mauer scheint eines der wichtigsten und typischsten mexikanischen Bauelemente über alle Jahrhunderte hinweg ihren Platz in der Architektur behalten zu haben. In keinen anderen Land, bin ich so oft an einer Straße entlang gelaufen, die fast nur aus Mauern und einigen Eingangstüren bestand.
Barragán wurde wegweisend für die mexikanische Architektur und da, obwohl er nie besonders Produktiv war. In seinen letzten dreißig Jahren schuf er gerade drei Gebäude: Casa Galvez (1955), San Cristobal/Los Clubes (1967) und Casa Gilardi (1978).
Neben diesen drei äußerst beeindruckenden Gebäude hinterließ er auch etwas, was man als Wahrzeichen der Stadt bezeichnen kann: In Zusammenarbeit mit dem Künstler Mathias Goeritz, schuf er die Torres de Satéllite – fünf dreieckige, in leuchtenden Farben angestrichenen Türme an der Autobahn nach Querétaro, im Norden von Mexico City.
Museum Luis Barragán:
Sein Wohnhaus im Stadtteil Tacubaya (Mexico City), wurde Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahre 2002 als Museum eröffnet. Adresse: Francisco Ramírez 14, Col. Tacubaya, Tel. 55 15 49 08

Ricardo Legorreta

Die strengen Formen und leuchtenden Farben, die mit Barragáns ihren Anfang fanden wurden von seinen Nachfolgern aufgegriffen und fortgeführt. Anläßlich der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko, schuf der Architekt Ricardo Legorreta (geb.1931), ein viel beachtetes architektonisches Meisterwerk mit dem Bau des Luxushotels Camino Real in Mexiko Stadt. Weiter Hotelbauten folgten den Camino Real, wie z.B. das Camino Real Cancun, die Hotelpyramide Las Brisas in Ixtapa, usw.

Tanz

Wenn man nach Mexico City kommt und sich für Tanz und Musik interessiert, sollte man auf keinen Fall eine Aufführung des mexikanischen Folkloreballetts im Bellas Artes verpassen. Hier sieht man nicht nur eines der hervorragendsten Tiffanyarbeiten der Welt, einen 22 t schweren Bühnenvorhang aus Glasmosaiken, sondern die Ballettgruppe gibt jeden Zuschauer einen Ein- und Überblick von der Entwicklung des mexikanischen Volkstanzes, aus vorkolumbianischer Zeit bis heute.
Hier sieht man den aus Nordmexiko stammenden “Venado”- Hirschtanz ebenso, wie den weltberühmten “Jarabe Tapatio” aus Guadalajara, den viele Touristen für den einzigsten mexikanischen Tanz schlechthin halten.
Während die Konquistadoren in Mexiko zunächst die heidnischen Tänze abzuschaffen versuchten, nutzten die Mönche sie, um die Indianer an den katholischen Ritus heranzuführen. So wurden die aztekischen Tänze die die Auseinandersetzung zwischen Tag und Nacht, zwischen Gut und Böse umgewandelt in den Kampf zwischen der Kirche und die teuflischen Mächte. Der ehemalige Tanz zu Ehren der Erdmutter “Tonantzin” wird u.a. heute zu Ehren der Muttergottes von Guadalupe getanzt.
Einige Tänze aus der Zeit vor der Ankunft der Spanier haben somit überlebt. Zu diesen Tänzen gehören auch die der Concheros, deren Tanzgruppen man öfters auf dem Platz neben der Kathedrale in Mexiko-Stadt oder auf den Zocalo von Coyacan findet.
Die Voladores aus Papantla werden zwar als Tänzer bezeichnet, sind aber in meinen Augen Akrobaten. Während ein Musiker auf einen mehreren Meter hohen Mast sitzt und musiziert lassen sich vier “Voladores”, auch fliegende Menschen genannt, kopfüber in kreisenden Bewegungen um den Mast herunter. Jeder Tanz hat auch heute seine typischen Kleidung. So trägt man einen riesigen Kreisrunden Kopfschmuck in Veracruz, wenn man den Quetzal-Tanz vorführt. Ebenfalls umfangreichen Kopfschmuck, Rasseln, Pfeil und Bogen sind wichtige Requisiten der Sonajero Tänzer, die dem Kreuz und den Naturgewalten gewidmet sind.
Europäischen Ursprungs sind die Tänze des Nordens. Hier tanzt man gerne Polka und Walzer. Diese Tänze wurden auch dadurch gefördert, dass es in Nordmexiko besonders im 18. und 19. Jahrhundert einen höheren Anteil an Einwanderern aus Mitteleuropa gab. Auch die Trachten die man bei Aufführungen trägt stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die Frauen tragen meist hochgeschlossene Kleider, die mit üppigem Volant gesäumt sind. Hier tragen die Männer auch einen einfachen Sombrero, der aber im Schnitt mehr einen US-Amerikanischen Cowboyhut ähnelt.
Der unter Touristen so bekannte Mexikanische Sombrero findet man bei Auftritten von Folkloregruppen in Guadalajara. Im Karibischen Raum sind Tänze wie Rumba, Mambo und Danzón beliebt und beim jüngeren Publikum sind es eher Salsa, Merengue und Cumbia und natürlich alle anderen Modetänze, die auf der ganzen Welt in Diskotheken getanzt werden.

Mexikanische Musik

Die mexikanische Musik hat ihre Wurzeln in der prägkolumbianisch-indianischen Musik und in der europäischen, überwiegend spanischen Kultur. Die Musik spielte bei den Azteken eine wichtige kultische Rolle. Es gab eine Schutzpatronin mit Namen “Macuilxochitl” und im “Cuicacalli”, im Haus des Gesangs mußten alle Kinder ab dem 12-ten Lebensjahr an einen Musikunterricht teilnehmen.
Selbst Gedichte wurden mit Musikbegleitung vorgetragen. Auf Bühnen, Tempeln und vor Pyramiden wurde getanzt und musiziert.
Zum Musizieren benutzte man Trommeln aus Ton, Holz oder Schildkrötenpanzer, Raspeln aus Knochen oder Holz, Rasseln aus Muscheln, einfache Flöten und Muschelhörner. Ähnliche Instrumente kann man heute noch bei Auftritt von z.B. Azteken-Tanzgruppen vor der Kathedrale oder bei einigen Indianerstämmen sehen und hören.

Indigene Musik

Die ersten Aufzeichnungen dieser indianischen Musik hat man von den Mönchen Bernardino de Sahagún und Juan de Tequemada. Die Tempelmusiker der Azteken konnten nach der Eroberung in den Kirchen der Spanier weitermusizieren. Schon drei Jahre nach der Eroberung von Mexico gründete der Mönch Pedro de Gante die erste Musikschule und wenig später wurde schon die erste Orgel von Indianern gebaut. Die Missionare stellten mit großem Erstaunen fest, daß die Indianer in fast spielerischen Leichtigkeit nicht nur Kirchenchoräle sangen, sondern auch schwierige Orgelstücke lernten und spielten; oft ohne eine einzige Note lesen zu können. Sie hatten ein ausgezeichnetes Harmonieverständnis und ein natürliches Talent alles auswendig zu lernen.
An der Golfküste von Mexico gab es nicht nur die Vermischung von indianischer und spanischer Musik sondern hier kamen auch noch afrikanische und arabische Elemente hinzu. Während der etwa 300 Jährigen Kolonialzeit lernte Mexiko alle Arten von Musik kennen und vermischte sie mit der ihrer multikulturellen Volksgruppen. Neben der Volksmusik war die klassische Musik natürlich sehr an Europa orientiert und man holte sogar Komponisten und Interpreten ins Land. 1711 wurde in Mexiko-Stadt die erste Oper komponiert und aufgeführt “La Parténope” von Manuel de Zumaya.
Im 19. Jahrhundert feierte der Walzer, der mit dem triumphalen Erlebnis der Unabhängigkeit von Spanien 1821 ungeahnte Erfolge. Eine Reihe von mexikanischen Komponisten sorgten für eine eigenständige Form des mexikanischen Walzers. Originalität, Nostalgie und phantasievolle Melodien kennzeichnen diese Musik. Noch heute kann man sogar in der mexikanischen Popmusik Elemente aus dieser Zeit finden. Ein Beispiel ist “Tiempo de Vals” von Chayenne. Eine weitere Musikart die sich im 19. Jahrhundert entwickelte ist der Corrido. Die Melodien stammten zuerst von spanischen Liedern, die aber mit der Zeit mit mexikanischen Themen aktuallisiert wurden. Die Volksballaden die der Corrido hervorbrachte sind sogar noch heute sehr beliebt.

Canción Ranchera aus Nordmexiko

Später entwickelte sich daraus, in Nordmexiko der Canción Ranchera, der melancholischen Schmerz, Gewalt und unerfüllte Liebe besingt. Eine schon etwas früher entstandene “Volksmusik” ist die der Mariachis. Mariachimusik verbreitete sich von Jalisco über ganz Mexiko und dann über ganz Lateinamerika aus. Sie ist wohl die beliebteste und populärste Musik schlechthin.
Die Musik enthält sowohl spanische als auch französische Elemente. Das Wort “Mariachi” stammt wahrscheinlich vom französischen “mariage”, Hochzeit ab. Während der französischen Besatzung glaubten die französischen Soldaten, daß diese mexikanischen Musikgruppen in erster Linie auf Hochzeiten aufspielten. Ursprünglich waren es Wandermusikanten die sich in und um Guadalajara zusammenfanden. Eine Mariachigruppe besteht aus Streichinstrumenten (Gitarre und Geigen), aus Trompeten und einem oder mehreren Sängern.
Erst um 1930 herum fingen die Mariachgruppen an, die Tracht der Charros (der reitenden Rancheros) zu tragen. Spitze Cowboystiefel, ein großer, Breikrempliger Sombrero, die enge Hose mit an den Seiten beschlagenen Schnallen und eine ebenfalls schön dekorierte kurze westenförmige Jacke gehört zur Tracht. Seit den 30-er Jahren des vorherigen Jahrhundert gibt es auch weibliche Mariachigruppen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen.
Die Mariachis sind in Europa und im Rest der Welt :o) , der Inbegriff für mexikanische Musik schlechthin und das obwohl sie nicht für ganz Mexiko typisch sind. Vergleichbar so wenig der Schuhplattler zu Ostfriesland paßt. Mariachis sind typisch für Zentralmexiko, in Norden schwärmt man, wie schon zuvor erwähnt für Rancheros und im Süden begeistert man sich für die Klänge der Marimbas und der Harfen.
Diese xylophonähnlichen Instrumente mit den großen Holztasten wird von vier Spielern gespielt. Der Solist spielt die Melodie und die anderen Spieler spielen kontrapunktisch die zweite Stimme. Das Repertoire dieser Marimbagruppen geht vom Walzer, Paso Doble, Bolero bis zur modernen aktuellen mexikanischen Schlagermusik. In den dreißiger und vierziger Jahren machte u.a. der berühmte mexikanische Komponist Agustin Lara den Bolero populär. Aus dieser Zeit stammt auch der Danzón und die Rumba. Diese Jahre, die auch für das mexikanische Kino, die Goldenen Jahre waren, machten Interpreten wie Jorge Negret, Javier Solis, Pedro Infante, Miguel Aceves Mejía, Lola Beltrán und José Alfredo Jiménez über die mexikanischen Grenzen populär.
Auf dem Gebiet der klassischen Musik haben mexikanische Musiker, angeführt von dem Komponisten und Dirigenten Carlos Chávez, auf der ganzen Welt Anerkennung bei den Kritikern gefunden. Das Mexikanische Symphonieorchester wurde 1928 von Chávez und das Ballett Folklórico 1952 von der Choreographin Amalia Hernández gegründet. Auch heute noch, sind mexikanische Sänger und Gruppen, egal ob Pop- oder Rockmusik im wahrsten Sinne des Wortes Exportschlager. Sie begeistern jung und Alt von Spanien über USA bis nach Südpatagonien. Mexikanische Interpreten beeinflussen in erheblichen Maße, die Musikszene von Lateinamerika. Hier ein paar populäre Sänger und Sängerinnen und einige der zur Zeit populärsten Rockgruppen aus Mexico.

Kino aus Mexiko

Die frühen Filme der dreißiger Jahren prägten nicht unwesentlich das weltweite Klischee des Mexikaners, vom heißblütigen “Charro” mit riesigem Sombrero und klirrenden Silbersporen. Einer der Ersten und erfolgreichsten dieser Filme ist “Alla en el Rancho Grande” von Fernando de Fuentes. Die “Goldenen Jahre” als Filme aus Mexico den lateinamerikanischen Markt im Kino überfluteten, gingen Ende der fünfziger Jahre zu Ende, als Hollywood sie mehr und mehr vom Markt verdrängte.
Bedeutende Filme dieser “Epoca de Oro” waren:
Allá en el Rancho Grande (1936): Fernando de Fuentes. Tito Guízar und Esther Fernández. Die Freundschaft zwischen den Haciendabesitzer Felipe und seinen Freund Martín wird auf eine harte Probe gestellt als sich Felipe in das Bauernmädchen Crucita verliebt. Verwechslungen, Missverständnisse verpackt in eine ordentliche Portion Raufereien, Tanz, Musik und flotten Rancheras lösen sich letztendlich in ein Happy-End auf.
Ahí está el detalle (1940): Juan Bustillo Oro. Mario Moreno, Joaquín Paradavé und Sara García. Die Namensgleichheit eines Hundes mit den Gangsterboss “Bobby” sorgen für reichlich Verwirrung zwischen einen eifersüchtigen Ehemann, einer nervösen Ehefrau, eines spitzbübigen Dienstmädchens, einer verlassenen Ehefrau mit acht Kindern und dem skurillen Junggesellen Cantinflas. Mit diesem Film schaffte Cantinflas seinen filmischen Durchbruch.
Maria Candelaria (Xochimilco) (1943): Emilio Fernandez. Dolores de Río und Pedro Armendáriz. Xochimilco im Jahre 1909, Maria Candelaria und Lorenzo Rafael wollen heiraten. Doch bevor es dazu kommt erkrankt Maria an Sumpffieber. Um ihr zu helfen raubt der Mittellose Rafael Chinin im Laden des gefürchteten Don Damián, der auch hinter Maria her ist. Lorenzo wird geschnappt und landet im Gefängnis. Maria stirbt verlassen, von den Dorfbewohnern verachtet, die glauben sie hätte nackt für einen Maler Model gestanden.
Enamorados (1946): Emilio Fernandez. Maria Felix und Pedro Armendáriz. Die Revolutionstruppen unter dem General Jose Juan Reyes nehmen den verschlafenen Ort Cholula ein. Während die Truppen das Eigentum der reichen Dorfbewohner konfezieren, verliebt sich der General in die unnahbare Beatriz Peñafiel, Tochter des angesehensten Bürger des Ortes.
Ensayo de un crimen (1955): “Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz” Luis Buñuel. Ernesto Alonso und Miroslava. Der Mord an mehreren Frauen im Umfeld von Archibaldo de la Cruz machen ihn verdächtig. Er hatte alle Opfer geliebt. Es kommt zu einem Verhör, in dessen Verlauf er von seiner Kindheit erzählt und er legt die Gründe dar, warum er glaubt am Tod dieser Frauen Schuld zu sein. Wenige Tage nachdem der Film zu Ende gedreht wurde, begann Miroslava Selbstmord. Sie hatte in weniger als 9 Jahren in 30 Filmen mit gemacht und war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Nazarín (1958): Luis Buñuel. Marga López und Francisco Rabal. Mexiko zu Begin des letzten Jahrhunderts. Der bescheidene “Wunderheiler” Nazarín teilt sein Los, mit der Mittellosen Landbevölkerung, die rund um das Anwesen von Chanfa leben. Eines Tages brennt Chanfa und Nazarín nimmt eine Prostituierten Schutz, die für den Brandt verantwortlich gemacht wird. Er muß flüchten und zieht durchs Land. Es kommt zu Begebenheiten, die Nazarín an die Christliche Nächstenliebe seiner Mitmenschen zweifeln läßt.
Eine der Überragendesten Schauspielerinnen, neben Dolores Del Rio dieser Zeit war Maria Felix, die “Femme-Fatale” des mexikanischen Films schlechthin. Ein weiterer sehr beachteter Filmschauspielerin, eigentlich aus Tschechien stammend, war Miroslava. Auf den Höhepunkt ihrer Karriere aber, begann sie aus enttäuschter Liebe im Alter von 29 Jahren Selbstmord. Ihr Leben wurde 1993 zu einen Spielfilm verfilmt. Ihre Rolle spielte Arielle Dombasle.
Mario Moreno, “Cantinflas” genannt, schaffte es, über die so genannten “Goldenen Jahre” hinaus, bis in die frühen achtziger Jahre erfolgreich, der Inbegriff des mexikanischen Humor (des kleinen Mannes), in der ganzen spanischsprachigen Welt dar zu stellen. Er was das, was Charly Chaplin für die englischsprachige oder Louis de Funes für die französischsprachige Welt war. Sein Markenzeichen war seine leicht lispernde, viel zu schnelle Stimme, sein Schnautzbart und die, bis an die Hüften hängende, viel zu große Hose.
Als er 1993 starb, glich seine Beisetzung einem Staatsbegräbnis. Er wurde Tage zuvor im “Bellas Artes” aufgebart und tausende Mexikaner jeden Alters und gesellschaftlicher Stellung nahm Abschied von ihm. Er hatte weit über vierzig Filme gedreht und blieb immer seinem Land sehr Verbunden. Hollywood reizte ihn nicht , er zog es vor in Mexiko zu bleiben. Einer seiner wenigen, nicht in Mexiko gedrehten Filme war: “In achtzig Tagen um die Welt”, mit David Niven. In diesen Film spielte er die Rolle des eifrigen Dieners. Obwohl von Geburt aus Spanier, war es Luis Buñuel den es gelang auch noch in den sechziger Jahren bedeutende mexikanische Filme zu drehen. Weitere wichtige Vertreter des mexikanischen Films waren: Albert Isaac, Arturo Ripstein, Fernando Cazals und Alfonso Arau.
Eine wichtige Einrichtung zur Erhaltung und Förderung des mexikanischen Films war die Gründung des “Centro Universitario de Estudios Cinematograficos”, Universitätszentrum für Filmstudien und die des “Instituto Mexicano de Cinematografía “. Neben der zuvor genannten staatlich finanzierten Filmindustrie entstanden auch zahlreiche unabhängige Produktionsgesellschaften, wie u.a.”Red México Insurgentes”. Seit Anfang der neunziger Jahre ist der mexikanische Film wieder im Aufwind. Dazu beigetragen, haben auch u.a. diverse mexikanische Filmschauspieler die in Hollywood Karriere machten, wie z.B. Salma Hayek.
Hier einige der erfolgreichen Filme der letzten Jahre:
Danzón (1991): Maria Novaro. Maria Rojo und Carmen Salinas. Die alleinerziehende Julia teilt ihr Leben in drei Kapitel ein: Ihre Arbeit als Telefonistin in der Telefongesellschaft, ihr Leben mit ihrer Tochter und ihre Leidenschaft für den Tanz “Danzón”. Jeden Mittwoch abend vergißt sie die Welt in den Armen ihres Tanzpartners Carmelo im Tanzsalon Colonia. Eines Abends verschwindet ihr Tanzpartner auf mysteriöse Weise. Julia vermutet in Veracruz und macht sich auf die Suche nach ihn. Doch was sie noch nicht weiß, ist das diese Reise ihr Leben für immer verändern wird.
Sólo con tu pareja (1991): Alfonso Cuarón. Daniel Gimérez Cacho und Claudia Ramírez. Der junge und erfolgreiche Journalist Tomás hat wieder einmal ein Herz gebrochen, doch das stört ihn nicht. Bei einer Routineuntersuchung bei seinen Arzt läßt er einen AIDS-Test machen. Was er nicht weiß, das seine verflossene Liebe dort als Arzthelferin arbeitet. Als sie seine Blutprobe in die Finger bekommt, rächt sie sich, indem sie “Positiv” in das Protokoll schreibt. Für Tomás bricht eine Welt zusammen. Er möchte nicht langsam sterben und so sucht er nach Mittel und Wegen, möglichst schnell aus dem Leben zu scheiden. Dabei trieft er auf die ebenfalls Lebensmüde Stewardess Clarisa und verliebt sich in sie.
Como agua para chocolate (1992): “Bittersüße Schokolade”. Eine Geschichte zwischen Liebe und gutem Essen, die sich zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhunderts im Norden von Mexiko abspielt. Tita und Pedro sehen ihre Liebe in Gefahr, als ihre Mutter entscheidet, daß sie nicht heiraten darf. Vielmehr soll sie in Zukunft, die Pflege ihrer alternden Mutter übernehmen. Gefangen in Jahrhundert alten Zwängen und Traditionen fügt sich Tita ihrem Schicksal. In mitten vom Duft und Geschmack der Traditionellen Mexikanischen Küche, die Tita meisterhaft beherrscht, leidet sie viele Jahre. Am Ende finden die Beiden die tragisch-schöne Erfüllung ihrer Liebe, die alle Zeiten überstand.
Sexo, pudor y lágrimas (1998): Antonio Serrano. Victor Huggo Martín, Susana Zabaleta, Demián Bichir, Cecilia Suávez, Jorge Salinas und Monica Dionne. Carlos und Ana haben, genau so wie Andrea und Miguel Probleme. Unerwartet, erscheinen ihre Freunde Tomás und Maria auf, die auch noch die Expartner der beiden Paare sind. Die bereits bestehenden Problem verdoppeln sich und bringen das schon schwankende Fundament ihrer Beziehung vollends ins kippen.
Amores Perros (2000): Alejandro González Iñárritu. Emilio Echevarrías, Gael Garía Bernal. Ein schrecklicher Verkehrsunfall führt drei junge Leute zusammen. Octavio, der seinen Hund “Cofi” zu einer Kampfmaschiene dressiert hat. Valeria, ein junges hübsches Fotomodel, die ihre Karriere und zusammen leben mit Daniel zerstört sieht. Sie bleibt, in ständiger Begleitung ihres kleinen Hundes “Richi” in den begrenzten Grenzen ihrer Wohnung gefangen. Der Stadtstreicher Chivo, ein ehemaliger Ex-Guerillero, der Einst seine Familie verlassen hatte und jetzt seine Erwachsen gewordene Tochter sieht und sich nicht an sie ran traut. Er schenkt all seine Liebe den Straßenhunden. Keiner der Drei wird mehr der Gleiche, wie vor den Unfall sein. Alle, einschließlich der Hunde, ereilt ein Schicksal nach dem Unfall, daß sie sich vorher nicht hätten vorstellen können.
Heute haben die “Novelas”, nicht endende TV-Seifenopern einen weit höheren Stellenwert in der mexikanischen Filmproduktion, als abgeschlossene Spielfilme. Die “leicht verdauliche” Filmkost ist für alle gleich preiswert und leicht, allabendlich von Zuhause in Mexiko zu konsumieren. Bedeutende Stars dieser “Novelas” sind u.a. Veronica Castro, deren Filme in weltweit synchronisiert zu sehen waren (u.a. in Türkei, China, in Länder der ehemaligen Sowjetunion und in einigen arabischen Ländern). Ihre Filme wurden in 25 Sprachen synchronisiert. In Deutschland liefen die Novelas “Die wilde Rose” und “Nie vergass ich Soledad”.
Die Vielfalt der verschiedenen Volksgruppen in Mexico spiegelt sich auch in seinen manigfaltigen Folkstrachten wieder. Genauso, wie sich viele Ausländer die Deutschen nur in Dirndel und Lederhose vorstellen können, ist das Bild des Mexikaners im Ausland, meist auch nur auf einen Trachtentyp beschrängt.
Deshalb wird auf dieser Seite neben der “typischen” mexikanischen Tracht, die aus Jalisco stammt auch auf die, der verschiedenen Regionen eingegangen.

Nationaltracht

Die in der ganzen Welt bekannteste mexikanische Nationaltracht stammt aus Jalisco. Der Mann trägt ein typische Charrotracht, welches auch die meisten Mariachigruppen tragen. Die Charrotracht ist bei den Tanzgruppen meist schwarz und besteht aus einer eng anliegenden langen Hose und einer relativ kurzen Jacke. Die Seitennähte der Hose und die Verschlüsse der Jacke bestehen meist aus Silberschnallen. Neben den schwarzen Anzug gibt es auch graue, beige und andere Farbvarianten.
Der Mann trägt zum Anzug einen breiten Sombrero und spitz zulaufende “Botines”, Stiefel.
Die Frau trägt ein typisches Kleid des 19. Jahrhunderts, hochgeschlossen und mit Volant am Oberteil und an den extrem weitgeschnittenen Rock. Die Farben der Kleider sind meist sehr strahlend gelb, rot, blau usw. aber es gibt auch schwarze Kleider, die dann aber mit bunten Borden belebt werden. Die Röcke der Frauen erregen bei den Aufführungen der typischen Tänze, immer sehr viel aufsehen, da sie mit den Händen zu einen riesigen Fächer aufgebauscht werden. Das Kostüm der Frauen findet man in einer etwas schlichteren Variante bei den Auftritten, der berittenene Frauengruppen bei den Charreadas. Das Kostüm der Adelita geht auf die sagenumwogene Frauenfrigur der Adelita zurück, die während der mexikanischen Revolution sich ebenso tapfer, wie die Männer schlug.
Ein weitere sehr beliebte Nationaltracht der Frauen, ist das Kostüm der China Poblana. Die Tracht gibt es mittlerweile in den verschiedensten Variationen (von einfach bis luxeriös) aber stets in den drei Nationalfarben “Rot-Weiß-Grün”. Zu Begin des 19. Jahrhunderts tauchte diese Tracht zum ersten mal in den Städten und Dörfern auf und wurde überwiegend von jungen Mestizinnen, die als Dienstmädchen, Köchinen oder Verkäuferinen arbeiteten getragen. Das ursprünglich Kostüm besteht aus einer weißen bestickten Muselinbluse, die kurze Puffärmchen und einen weiten runden Ausschnitt hat, dazu trägt man einen weiten Rock, der durch mehrere “Unterröcke” in Form gebracht wird.
Dieser Rock besteht aus drei “Streifen”: das obere Drittel ist meistens aus einer Farbe (grün), darunter kommt ein bunter farbiger Teil, der meist sehr schön bestickt oder mit Piletten geschmückt ist und das letzte Drittel ist wieder in einer einzigen Farbe gehalten.Gehalten wird das ganze von einer Stoffschärpe als Gürtel.
Ging vor 200 Jahren die Frau damit auf die Straße, trug sie dabei noch ein Schultertuch rebozo, daß sie über den Kopf zog, wenn sie in die Kirche ging. Dieses “rebozo” war eine mexikanische Weiterentwicklung der spanischen “mantilla”, die noch bis zur mitte des letzten Jahrhunderts beim Kirchgang getragen wurde. Auch heute noch wird die ursprünglichen Form der “China Poblana”-Tracht getragen, nur das der Stoff des Rockes oft aus Seide oder Satin besteht und das man die Haare mit Bändern in den Nationalfarben schmückt. Seit den 30-er Jahren des letzten Jahrhundert hat sich aber auch eine Art Luxusvariante der “China Poplana” entwickelt.
Die Frau trägt einen Sombrero, die Haare in Zöpfen geflochten und mit Satinbänder in rot und grün gebunden, das Oberteil hat zwar noch die ursprünglichen Puffärmchen aber sonst erinnert nichts mehr an eine einfach bestickte Muselinbluse. Um die Schulter trägt man ein “rebozo” und eine Stoffschärpe als Gürtel. Der Rock ist lang, breit und mit Paietten bestickt; ein beliebtes Motiv ist dabei der Nationaladler. Woher die Tracht der “China Poblana” stammt, dazu gibt es zwei Versionen.
Die erste besagt, daß die jungen Mestizinen, die überwiegend diese Tracht trugen aus kleinen Dörfern stammten und Dorf heißt auf spanisch “pueblo”, “poblana”=>dörflich. Die Bezeichnung “china” hat nichts mit dem Land China zu tun, sondern ist ein indianisches Wort für Mädchen aus dem Quechua (Peru). Die Spanier die auch Peru eroberten hatten brachten dieses Wort auf unbekannten Wegen nach Mexiko und es wird schon seit hunderten von Jahren für Mädchen und junge Frauen benutzt. Demnach bedeutet “China Poblana” das “Mädchen vom Dorf”.
Eine weit romantischere Version ist die Legende der China Poblana aus Puebla, wo die Tracht zur “Stadt”-tracht erhoben wurde.

Trachten der unterschiedlichen Regionen

Tehuantepec (Oaxaca)
Eine der wohl auffälligsten Trachten von Mexiko ist die aus Tehuantepec. Die Frauen tragen eine Art Spitzenhaube, wie man sie aus dem Spreewald oder der Tracht aus der Normandie her kennt. Vermutlich hat hier die kurze französische Besatzungszeit (um 1862) hier ihre Spuren hinterlassen. Die Kleidung meist aus schwarzen Samt ist mit großflächigen Blütenmotiven bestickt.
ChiapasAufwändige Stickereien auf Tüll oder Organza macht die schwarze Tracht der Frauen zu einer wahren Augenweide. Die Tracht gibt es auch in weiß, wird aber nicht so oft getragen wie die schwarze Ausführung. Die Haare werden in einen geflochtenen Zopf über dem Kopf getragen und mit bunten Satinbänder geschmückt.

Veracruz

Die weiße Tracht aus Veracruz findet man in ähnlicher Form an den Küsten von Venezuela. Wer heir wehn am meisten beeinflußte läßt sich kaum noch nachvollziehen. Zu den den weißen Kleider trägt man eine kleine schwarze, mitroten Rosen bestickte Schürze. Ein unabdingbares Accesoar der Frauen ist der Fächer, der ein spanisches Erbe ist. Die Männer tragen einen weißen Anzug, den man in ähnlicher Form auch in Yucatan wiederfindet. Ergänzt wird der Anzug durch ein rotes Halstuch und einen weißen Sombrero.

Wie schon zu Anfang beschrieben ist die Tracht der “China Poblana” Nationaltracht. Sie wird aber vorwiegend von den Frauen in Puebla getragen. Die Tracht des Mannes besteht in Puebla aus einer schwarzen Hose, die unten seitlich aufgeschlitzt ist und aus einer breiten roten Schärpe. Dazu trägt er ein blütenweißes Hemd und um den Kopf bindet er sich, in Piratenmanier ein rotes Tuch. Zuweilen trägt er hierzu noch eine kurze schwarze Bolero-Jacke und einen Sombrero.
GuerreroWie fast an allen Küsten Mexikos trägt der Mann einen weißen Anzug und dazu einen passenden weißen Sombrero oder einen aus Stroh. Die Frauen tragen einen meist roten oder orangen “Unterrock”, worüber sie einen weißen buntbestickten “huipil” tragen. Der “huipil” ist das traditionel älteste Kleidungsstück der mexikanischen Indianern und wird in den verschiedensten Formen von zahlreichen Stämmen im Mittel- und Südmexiko getragen.

YucatanAuf den weißen Baumwollkleidern der Nationaltracht Yucatans entfaltet sich eine regelrechter gestickter Blumengarten. Einfache Kleider, mit marschineller Stickerei bekommt man an den Souvenirständen in Merida zu kaufen aber die wirklichen Schmuckstücke sind die mit Spitzen versehenden und handbestickten Einzelexemplare, die man nur bei Auftritten von Folkloregruppen zu sehen bekommt.

TamaulipasDie braune Lederkleidung der Frauen und Männer aus Tamaulipas erinnert stark an die der Cowboys, die wahrscheinlich auch zum Vorbild genommen wurden. Die braune Tracht hat umfangreiche weiße Lederapplikationen und Lederfransen an den Röcken der Frauen und an den Oberteilen. Die Männer tragen zum Anzug meist einen Sombrero aus Stroh. Um den Hals tragen Frauen und Männer ein rotes Halstuch.

JaliscoWie schon zu Anfang erwähnt stammt die in der ganzen Welt bekannteste mexikanische Folkstracht aus Jalisco. Das was die Tracht so aktraktiv macht, ist die betont männliche Charrotracht, mit Stiefeln, breitem Sombrero und Silberschnallen – einen Anzug von den zumindest jeder kleine Junge träumt und die weiten ausladenden Röcke der Frauen, die beim Tanzen, sich wie ein Fächer um die Tänzerin aufbauschen und dem Tanz eine zusätzliche Dynamik verleihen.

Trachten der verschiedenen Indianerstämme

Über viele Jahrhunderte hindurch, war der Geschmack und die Mode durch den europäischen Einfluß, den insbesondere die Oberschicht des Landes, so weit wie möglich versuchte nachzueifern bestimmt worden. Der Größtteil der Bevölkerung, die Mestizen hatten, weder eine rein indianische noch europäische Identität erlangen können. Erst durch die mexikanische Revolution (1910) begann das Land, nach einer eigenen, von Europa möglichst unabhängigen Identität zu suchen. Dies spiegelt sich nicht nur in der damaligen Kunst (Diego Rivera usw.) wieder, sondern auch in der Mode.
Schaut man sich die Tracht der “Adelita” an sieht man, daß sie den puritanischen Geist des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Diese hochgeschlossenen und langarmigen Kleider waren nicht für das überwiegend heiße Klima Mexikos geeignet und wurden einfach von Europa übernommen. Der überwiegende Teil der Revolutionäre bestand aus landlosen Bauern und Mestizen und so wurde auch deren Kleidung zum neuen Leitbild auch nach der Revolution. Man erinnerte sich auch plötzlich wieder seiner indianischen Wurzeln und nahm auch bereitwillig Elemente daraus auf. Die Tracht der “China Poblana” und der einfachen Rindertreiber, der Charros wurde plötzlich Salonfähig. In der Werbung, in den Filmen der sogenannten “Epoca de Oro” (um 1935) spiegelt sich dieses, neu gefundene Nationalgefühl wieder.
Heute tragen auch viele Indianerstämme, besonders die Frauen, mit Stolz ihre ursprüngliche Tracht. Allgemein läßt sich hierzu noch sagen, daß seit der spanischen Konquista, die Kleidung der Männer einen wesentlich stärkeren Wandel unterlag, als die der Frauen. Es gibt nur noch sehr, sehr wenige Stämme, wie z.B. der der Tarahumaras oder der Lacandones bei denen die Männer keine lange Hosen oder Sombreros tragen. Dies ist auch ein Grund, warum ich auf die Tracht der Männer weniger eingehe, als wie der Frauen. Fast überall tragen die Männer eine gerade geschnitten Hose, ein Hemd und einen hellen Sombrero. An den Küsten Mexikos ist die Tracht der Männer meist weiß und im Zentrum dunkel – dies scheint vielleicht etwas stark verallgemeinert – aber meistens ist es so.

Huastecos – San Luis Potosi

Die Huastecos leben zum größten Teil an der Golfküste, in Veracruz und in San Luis Potosi. Mit den Olmeken und Totonaken gehörten sie zu den drei Hochkulturen der Golfküste.
Die Frauen tragen auf den Kopf einen Art Turban aus bunten Wolltüchern. Über einen meist weißen Rock tragen sie ein Huipil, der an einen kurzen bestickten Poncho erinnert. Die Stickereien sind abstrakt und die Farben orange und rot überwiegen.

Zapotecos – Oaxaca

Da es bei den Zapoteken ein ausgeprägtes Matriachat gibt, ist auch die Tracht der Frauen überaus reich bestickt und wird mit sehr viel Goldschmuck ergänzt. Die der Männer ist dagegen äußerst unscheinbar und schmucklos: eine einfache weiße Hose, ein weißes Hemd und und ein Strohsombrero.

HuicholesDas Volk der Huicholes in der Sierra Madre Occidental, im Norden von Jalisco hat sich von fast allen indianischen Stämmen Mexikos am längsten von “Fremden Einflüssen” entfern halten können, dies spiegelt sich auch in ihrer Tracht wieder. Die Kleidung ist weiß und überaus farbenfroh mit abstrakten Mustern bestickt. Der Mann trägt auf seinen Sombrero zahlreiche Federn und die Frauen tragen oft rote Tücher, nach hinten geknotet auf dem Kopf.

Nahuas -Milpa AltaDie Nuhuas leben zum größten Teil in Zentralmexiko und sind die Bevölkerungsmäßig größte indianische Volksgruppe. Sie sprechen “náhuatl”, was auch die Sprache der Azteken war. Die Frauen der Nahuas tragen bunt bestickte Röcke und Blusen und auf dem Kopf ein reboso, ein sogenanntes Schultertuch. Zu speziellen Anlässen und wenn sie besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, setzen sich die Frauen dicke Wollknäule in die Haare.

Tarahumaras – Chihuahua

Wenn man von den Beinen und Füßen der Tarahumaras absieht, besteht deren Kleidung aus sehr, sehr viel Stoff. Die Männer binden sich ein weißes Dreiecktuch hinten an den Gurt, daß sie zwischen die Beine nach oben vorne am Gurt wieder befestigen. Männer und Frauen gehen meist barfuß oder tragen nur einfache Ledersandalen. Auch die Beine sind meist immer nackt und das obwohl es im Gebirge oft sehr sehr kalt werden kann. Die Männer tagen überwiegend weiße Kleidung während es die Frauen und Kinder sehr farbenfroh lieben. Die Blusen der Frauen und Mädchen sind langarmig und hoch geschlossen. So wie der Überrock, der auf eine Reihen von “Unterröcken” getragen wird sind die Stoffe mit auffälligen bunten Blumenmustern bedruckt. Den Kopf bedecken sie mit einen Tuch, daß sie nach hinten verknoten.

Lacandonen – Chiapas
Am auffälligsten bei den Lacandonen sind die Männer bekleidet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stämmen tragen sie keine langen Hosen und auch keinen Sombreo. Statt dessen verwenden sie eine weiße lange Tunica, deren Ursprung in den Huipil der Männer aus prähispanischer Zeit liegt.

Sombreros und andere Accessoires

Sarapes
Sarapes sind eigentlich das, was die meisten Touristen von Mexiko kennen ohne zu wissen, daß es das ist was sie meinen. Es sind die bunten gestreiften Ponchos, die früher (nur nicht so bunt) von den Viehtreibern als zusätzlichen Schutz vor Wind und Wetter über ihrer übrigen Kleidung getragen wurde. Ähnlich wie der Huipil besteht er für gewöhnlich aus einer einzigen Stoffbahn, die oben eine Öffnung für den Kopf hat. Es gibt die Sarape aus Wolle und sogenannten gedeckten Farben: Wollweiß, beige, braun und grau – oft mit abstrackten Motiven und natürlich in den knalligen Farben: rot, weiß, blau, grün und gelb (meist aus Baumwolle). Dreimal dürft ihr raten, welche Version wohl am ehesten von einem Mexikaner für den Alltag gekauft wird.
Sombreros
Den “typischen mexikanischen” Sombrero in der Form, wie wir ihn heute kennen gibt es gerade kaum hundert Jahre. In den 30-er und 40-er Jahren des vorherigen Jahrhundert fing man den Sombrero der Charros so weit hoch zu stilisieren bis letztendlich das daraus wurde, was man in jeden Souvenirshop an die Touristen verkauft. Diese mit Pailletten besetzten Samthüte sehen ja ganz nett aus aber ein richtiger Ranchero oder Charro würde sich das im Ernst niemals auf dem Kopf setzen.
Ein Charro benutzt für gewöhnlich einen Sombrero aus Filz oder einen guten Strohsombrero, wie auf den folgenden Abbildungen zu sehen ist. Diese Sombreros sind Handgemacht und halten auch etwas aus. Sie sind aber auch nicht gerade billig. So muß man für einen Filzsombrero aus Hasenhaar mittlerweile mindestens 400 USD hinlegen. Wer sich so ein nicht für Touristen gemachten Sombrero kaufen will kann das über das Internet zum Beispiel bei Mariachi Connection, El Charro (beide USA) und bei Traje Tipico (aus Mexico) machen. Ich empfehle aber in Mexiko direkt zu kaufen.
Man kann Adressen bei der Accesion Nacional de Charros bekommen oder man schaut einfach selbst mal in den Geschäften rein. In Mexikostadt findet man sie im Centro Historico, in der Nähe vom Zocalo und in einigen Straßen hinter dem Ayuntamiento. Im Norden von Mexiko, wie z.B. in Chihuahua, in Baja California, in Tamaulipas und Sonora trägt man einen Sombrero, der mehr an einen US-amerikanischen Cowboyhut erinnert. Die Hüte sind fast nie aus Filz (wäre auch viel zu warm darunter) und meistens sehr hell.
In Zentralmexiko und insbesondere in Jalisco trägt man den “typischen” Filzsombrero, wie wir ihn in Europa kennen. Er ist meist schwarz aber man findet sie auch in grau, beige, creme und anderen “gedeckten” Farben. Das Hutband ist oft eine gedreht Kordel oder ein gewebtes einfarbiges Band. Manchmal gibt es auch Sombreros mit Applikationen an der Hutkrempe zu sehen, die aber immer in einer dezenten zur Farbe des Hutes passende Farbe hat. – Alles andere, knall bunte oder mit Pailletten besetzte Sombreros sind Touristenware. Schön anzusehen, für den Partykeller oder für Karneval zu gebrauchen aber keine echte mexikanische Volkstracht!
Im Süden und an der Küste trägt man einen hellen Hut, mit kleiner Krempe. Ähnliche Hüte, so genannte Panama Hütte findet man in der ganzen Karibik und sie werden auch in Alltag getragen.
Obwohl der Sombrero, das typischste aller Kleidungsstücke in Mexiko ist, war es bei den Indianern in Vorkolumbianischer Zeit gänzlich unbekannt. Nichts desto Trotz nahmen die Indianer und die Mestizen den größten Einfluß in die Weiterentwicklung der spanischen Vorbilder. So trugen die Viehtreiber zu Anfang meist einen Sombrero, wie man ihn im Spanien heute noch verwendet, einen “Cordobés”. Dieser Sombrero hat eine flache, weit ausladende Krempe und einen flachen Kopfteil und man sieht in heute noch bei den Reitern in Andalusien.
Die ersten Indianer die den Hut als Kleidungsstück für sich entdeckten, flochten ihn aus Palmblättern und machten die Krempe breiter und breiter und den Kopfteil höher und höher. Bei den Tzotziles und bei der Männertracht aus Puebla sieht man heute noch einen Sombrero, der dem spanischen Vorbild noch am meisten ähnelt. Das Kopfteil ist wesentlich flacher als wie bei den berühmt gewordenen Charro-Sombrero. Die Chichimecas und die Pames aus San Luis Potosi gehörten zu den ersten Indianerstämmen, die hohe und weitkrempige Strohhüte trugen. Diese Sombreros wurden während der mexikanischen Revolution 1910 überwiegend von Truppen aus Potosi und Tamaulipas getragen, während die Zapatistas aus Morelos den Sombrero der Charros den Vorzug gaben.
Dieser Sombrero aus Morelos, war nicht so hoch vom Kopfteil und auch nicht so übertrieben weitkrempig und im Gegensatz zu allen anderen nicht aus Stroh geflochten. Dieser Sombrero war aus Leder, Filz usw. hatte ein Hutband oder Kordel und wurde erstmalig von den Chinacos im Widerstandskampf gegen Kaiser Maximilian getragen.
Im allgemeinen hatte die mexikanische Revolution einen erheblichen Einfluß auf das Aussehen des “typischen” mexikanischen Sombreros von heute.
Reboso
Ein Reboso, Schultertuch, wie es heute oft von den Frauen in Mexiko getragen wird, gab es in Mexiko in prehispanischer Zeit nicht. Das Reboso hat sich in laufe der Jahrhunderte aber zu einen unabdingbaren Bestandteil der meist ländlichen Frauen entwickelt. Es wird benutz um sich vor Wind und Sonnenbestrahlung zu schützen, um Babys oder Waren zu transportieren oder um die übrige Kleidung attraktiv zu ergänzen. Dabei kann das Reboso die unterschiedlichste Aussehen haben. Einmal ist es fast nur noch ein schmaler Schal, der auch als Gürtelschärpe benutz werden kann und ein andermal es es ein breiter Umhang, in den man sich fast vollkommen verhüllen kann. Das Reboso ist entweder einfach und einfarbig oder in vielen Farben gewebt. Es gibt sie aus den unterschiedlichsten Materialien und mal bestickt, mit Pailletten oder mit Fransen verziert.
Ursprünglich kannten die Indianer nur ein Art Tragenetz, Ayate genannt, das entweder geknüpft oder geknotet zum Transport von Waren verwandt wurde. Das heute verbreitete Schultertuch, wurde in seinen Aussehen und in seiner Form wahrscheinlich durch die spanische “Mantilla” oder indischen Kopftüchern- und Schals beeinflußt.
Wie schon bei der Legende der “China Poplana” und der “Piñata” erwähnt, wurde Mexiko über Acapulco sehr stark von Asien aus beeinflußt. Der rege Handel zwischen den Philippinen und Mexiko hat seine Spuren in der Kultur und in der Mode der beiden Länder hinterlassen.
Huipil
Der Huipel ist das typische Kleidungsstück der Indianer schon seit vorkolumbianischer Zeit. Heute wird er überwiegend nur noch von den indianischen Frauen getragen. Der Huipil besteht für gewöhnlich aus einem zusammengelegten Stoffstreifen, der an der Knickkante eine Öffnung für den Kopf hat und der an den Seiten zwei Öffnungen für die Arme hat. Zuweilen wird er auch aus zwei oder drei Teilen zusammengestellt. Die Form ergibt sich aus dem gewebten Streifen Stoff, daß man nicht unnötig mit einer Schere zurecht schneiden muß.
Es gibt einfarbige, einfache Huipiles aber auch sehr aufwendig bestickte Exemplare und angeblich soll es die größte Variation an Huipiles in Oaxaca geben. Die Lacandones gehören mit den Amuzgos (Guerrero) zum letzten indianischen Stamm bei den auch die Manner den Huipil benutzen.
Botines (Stiefel) und Schuhe
In Nordmexiko gibt es zum Teil regelrechte spitz zulaufende Cowboystiefel, die Applikationen aus Schlangenleder haben oder einfach starke unterschiedliche Farbapplikationen haben. Sie haben einen Wadenhohen Schaft und ihre Absätze laufen schräg zu. Die Stiefel (Botines!) der Charros sind hingegen weniger spektakulär: meist einfach schwarz und auch oft nur knöchellang werden sie unter den Charrohosen getragen. Die Stiefelletten der Frauen “der Adelitas” sind meist auch nur knöchellang und mit Harken und Ösen geschnürt.
Zu einen großen Teil werden zu den Trachten in Südmexiko und an den Küsten einfache Ledersandalen getragen aber auch normale Schuhe. Sogar Tennisschuhe zu einer einfachen Lacandonen-Tunika kann man zuweilen sehen.
Halstücher
“Paliacates”, Halstücher (vorzugsweise rot!) trägt man nicht nur um den Hals gebunden sondern werden bei diversen Tänzen in den Händen gehalten oder in den Gürtel gesteckt. Sie finden nicht Verwendung bei den Männern sondern auch bei vielen Trachten der Frauen. Am preiswertesten bekommt man sie auf den Märkten, wie z.B. in Mexiko-Stadt auf dem von “La Merced” und in kleinen Kolonialläden. Sie sind meist aus Baumwolle und der Druck ist abstrakt in weiß und schwarz. Vom Design sind sie fast zeitlos und so sind sie auch zu modernen Jeans oder Hemden tragbar.
Schmuck
Es gibt in Mexiko Silber- sowie auch Goldschmuck. In Nord- und Zentralmexiko wird man überwiegend auf Silberschmuck treffen und in Süden mehr auf Gold. Für viele Frauen, z.B. den Zapotecas ist der Goldschmuck nicht nur alleine zum schmücken da, er ist auch Statussymbol und eine Art Vermögensreserve. Auch im Alltag, in den großen Städten wird es eine vielleicht auffallen, daß auch die Männer viel mehr Schmuck tragen als bei uns. Wer Geld hat (oder glaubt, daß er es hat) trägt gerne einen dicken Ring, eine Goldkette (mit und ohne Kreuz oder Madonna) oder ein klumpiges Armband.
Die Frauen tragen oft zur Tracht goldene Kreolen oder filigrane Hängeohringe. Man unterscheidet dabei zwischen einfachen Steckerohrringe “aretes” und langen Gehängen “pendientes”. Da es früher sehr sehr viele Silbermienen in Zentralmexiko gab, findet man noch heute dort eine stark ausgebaute silberverarbeitendes Kunsthandwerk. Städte, wie Taxco sind berühmt für ihre Silberschmiedewerkstätten und das Angebot Vorort ist überwältigend. Fährt man von Mexikostadt Richtung Süden findet man sehr viel Goldschmuck, verarbeitet im Stiel der Mixtecen.
In Mexiko findet man eine Reihe von Halbedelsteinen, die u.a. zu Halsketten verarbeitet oft von Indianern (ambulant) zum Kauf angeboten werden. Schmuck wird fast überall in Mexiko verkauft und er wird nicht nur von Touristen gekauft. Die Qualität ist für gewöhnlich sehr gut aber mancherorts etwas einseitig vom Design. Bei den meisten Händlern ist es nur ein Weiterverkauf von sogenannter Massenware, die man an jeder Straßenecke in der gleichen oder ähnlichen Form wiederfindet. Man muß schon sehr genau schauen und nicht am erstbesten Stand/Geschäft kaufen, den es gibt auch wirkliche Künstler, die ihren selbst hergestellten Schmuck verkaufen.

Piñatas

Die meisten Europäer können sich unter einer “Piñata” nichts genaues vorstellen. Für Lateinamerika und insbesondere für Mexiko ist die piñata das Symbol für Fiesta schlechthin. Ursprünglich kommt die piñata aus China, wo sie Marco Polo zum ersten mal sah. Meist hatte sie dort, die Form von einem Ochsen, Stier oder einer Kuh.
Mit buntem Papier und anderen dekorativen Dingen beklebt begrüßte man mit ihr das neue Jahr. Die Figuren wurden mit Stöcken zerschlagen und Samenkörner flogen auf den Boden. Die zerschlagenen Figuren wurden anschließen verbrannt und die Asche aufgesammelt und als Glücksbringer für das kommende Jahr aufbewahrt.
Diese Sitte wurde in Südeuropa in 14. Jahrhundert bekannt und fand Anklang in der Fastenzeit. Über die Bedeutung des Wortes piñata gibt verschiedene Quellen und Auslegungen. Das italienische Wort “pignatta” bedeutet soviel, wie “Zerbrechlicher Topf”. Diese Tontopf dient zum Wasser holen. Die Form des Gefäßes ähnelte einer Ananas, die auf Spanisch “piña” heißt. Als sich die Sitte in Spanien verbreitete bekam der erste Sonntag der Fastenzeit, den Namen “Danza de la Piñata”. Die Spanier benutzten dabei ebenfalls einen Wassertopf “olla” genannt. Dieser ursprünglich einfache Tontopf wurde dafür bunt bemalt und mit Wimpeln und Papierbüschel dekoriert.
Anfang des 16. Jahrhunderts nutzten spanische Missionare die “piñata”, um ihre religiösen Zeremonien attraktiver zu machen, zumal die Indianer eine ähnliche Tradition schon hatten. Um den aztekischen Kriegsgott “Huitzilopochtli” am Jahresende zu huldigen, stellten die Priester einen Tontopf auf einen Pfahl im Tempel. Bunte Federn schmückten, den schon reich dekorierten Topf, der mit kleinen, kostbaren Gaben gefüllt war. Der Topf wurde mit einem Stock zerschlagen und der Inhalt fielen als Opfergaben vor die Götterstaturen.
Die Mayas, große Sportliebhaber hatten ein Spiel, wo die Augen der Spieler verbunden waren, während sie versuchten auf einen aufgehängten Tontopf zu schlagen. Die Missionare wandelten diese Spiele und Zeremonien für ihre Zwecke ab. Um den traditionellen Tontopf attraktiver zu machen, wurde er mit buntem Papier beklebt. Der so dekorierte Tontopf “cantero” genannt, repräsentierte den Teufel, der oft eine attraktive Maske trug, um die Menschen zu verführen. Die traditionelle “piñata” sah ein bißchen aus, wie ein Sputnik, mit sieben Spitzen. An den Spitzen waren Wimpel oder Papierstreifen angebracht. Die sieben Spitzen symbolisierten die sieben Todsünden: Habgier, Völlerei, Trägheit, Stolz, Neid, Zorn und Lust. Schön und glänzend, die “piñata” lockte im inneren mit Süßigkeiten und Früchten, die die “canteros”, die Versuchungen der weltlichen Freuden darstellten.
Des weiteren symbolisiert die “piñata” auch drei grundlegende Dinge des Katechismus: Glaube, Hoffnung und Wohltätigkeit. Der Spieler mit den verbundenen Augen, repräsentierte die schlagende Kraft im Kampf gegen den Teufel: “Fe”, der Glaube, welcher Blind sein muß. Die anderen Mitspieler stellten sich um den Schläger und drehten ihn zu Anfang. Mit den Drehungen sollte er orientierungslos gemacht werden. Manchmal zählte man die Drehungen: 33-mal, in Erinnerung an das Leben von Jesus.
Die Stimmen der Mitspieler führten den Schläger:
“Mas arriba”, Höher!
“Abajo!”, Runter!
“Enfrente” Vor Dir!
Einige aber riefen die falsche Richtung, um den Schläger zu verwirren. Als Zweites symbolisiert die “piñata” :”Esperanza”, Hoffnung. Wenn die “piñata” über den Köpfen hing, schauten die Menschen hoch zum Himmel, sehnsüchtig auf die Gaben wartend. Der Stock, der die “piñata” zerschlägt, symbolisiert die Kraft, die die den Teufel besiegen kann. Einmal zerbrochen, repräsentierten die Süßigkeiten und Früchte die Belohnung für den guten Glauben. Zu guter Letzt, symbolisiert sie “Caridad”, Wohltätigkeit. Wenn sie zerbricht, kommt jedermann in den Genuss der Gaben und Geschenke, die in ihr sind.
Alles, was mit der “piñata” zu tun hatte, wurde mit den Glauben begründet. Heut´ zu Tage hat die “piñata” den religiösen Symbolismus verloren und dient nur zur Freude und zum Spaß. “Piñatas” sind besonders populär in den “Posadas”, vorweihnachtliche Feste und auf Geburtstagsparty´s. Wenn man die “piñata” schlägt singt man u.a.:
“Dale, dale, dale, no pierdas el tino,
porque si lo pierdes, pierdes el camino.
Esta piñata es de muchas mañas, sólo contiene naranjas y cañas.”
“Schlag, Schlag, Schlag,
verliere nicht deine Seele,
denn, wenn du sie verlierst, verlierst du auch den Weg
Diese piñata ist viel Manna, Sie hat Orangen und Zuckerrohr”
Ein anderes populäres Lied, um die”piñata” zu schlagen, kam im Jahre 1557 auf, als Felipe II “Neu Spanien” besuchte. Während dieser Zeit, wurden anstatt Silber-, Nickelmünzen unter das Volk gebracht. Daraufhin sangen die Leute in den Posadas, wenn sie auf die piñatas schlugen:
“No quiero níquel ni quiero plata:
yo lo que quiero es romper la piñata.”
“Ich will keinen Nickel, ich will kein Silber
Ich will nur die “piñata” zerschlagen
Piñatas gibt es heute in allen Größen und Formen. Moderne Piñatas haben die Form von Comix-Friguren oder anderen, den Kindern wohlbekannten Symbolen. Andere wiederum haben die Form von Früchten, Körben, Raketen usw. Manchmal haben sie sogar die Form von Politikern, auf die besonders gerne kräftig geschlagen wurde. In der Vorweihnachtszeit sind Sterne am beliebtesten, weil sie an den Stern von Bethlehem erinnern.
Traditionell sind Piñatas mit Süßigkeiten und Früchten gefüllt (z.B.: Rohrzuckerstücke, Nüße, Guaven, Mandarinen, Bomboms, Zuckerstangen usw.). Auf Kindergeburtstagen findet man aber auch kleine Spielzeugfiguren in ihnen. Manche Piñatas so genannte Falsche Piñatas werden mit Mehl, Konfetti oder abgestandenen Wasser gefüllt. Damit die Partygäste nicht all zu enttäuscht nach Hause gehen, werden spezielle Körbchen mit Süßigkeiten vorbereitet, die jeder bekommt bevor er das Fest verläßt.
Früher wurde die Piñata, wie schon erwähnt aus Tongefäßen hergestellt, heute bevorzugt man einen Luftballon, den man aufbläßt und anschließend mit Pappmache-Papier beklebt. Das ist leichter und ungefährlicher beim zerschlagen. Ich persönlich finde die Piñatas viel zu schön, um sie zu zerschlagen und ich bedauere immer wieder, daß sie auf Grund ihrer Größe nie ins Handgepäck passen. Denn schon seit Jahren würde ich gerne mal eine Piñata als Souvenir mit nehmen. Besonders gut gefallen mir die traditionellen sternförmigen Piñatas.
In Mexico singen Eltern und Kinder dieses Lied, wenn sie die Piñata zerschlagen.

Pastorela

Die Ursprünge der Pastorela reichen bis in die Zeit des Mittelalters zurück, als in Spanien sogenannte Auto-Sakramental sehr populär waren. Dabei handelte es sich, um Theaterstücke mit starken religiösen Hintergrund, die wiederum ihre Wurzeln in den Passionsspielen, zu Fronleichnam haben.
Im Jahre 1572 kamen die ersten Jesuiten nach Nueva España, wie Mexiko damals hieß und begannen mit der Missionierung der indianischen Urbevölkerung. Da es in der Náhuatl-Kultur schon eine Art Theatertradition gab, führten sie diese in gewisser Weise fort, um ihre religiösen Botschaften an die indianische Urbevölkerung nahe zu bringen. Da diverse Themen der Bibel aufgeführt wurde, konnte man noch nicht von einer typischen mexikanischem Pastorela sprechen – es war vielmehr ein ausdrucksvolles Volkstheater mit religiösen Inhalten.
Inhalt einer typischen Pastorela ist die Konfrontation Gut gegen Böse, dargestellt durch die sieben Teufel, die wiederum die sieben Todsünden (Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Völlerei und Wollust) darstellen und dem Erzengel Gabriel. Die sieben Teufel versuchen durch alle möglichen Fallen und Tricks, die Hirten zu ihren jeweiligen Laster zu verführen und sie vom rechten Weg (dem Weg nach Betlehelm) ab zu bringen. Am Schluß sieht das Gute über dem Bösen und die Hirten kommen in Betlehelm an und huldigen dem Jesuskind.
Hinweis auf eine typische mexikanische Pastorela kann man gegen Ende des 16. Jahrhunderts finden. Insbesondere in Bundesstaaten in denen es besonders viele Jesuitenorden gab (z.B. Puebla, Querétaro, Guanajuato und Jalisco), wurden in den Wochen vor Weihnachten Pastorelas auf Plätzen und Straßen aufgeführt. Pastorelas fanden besonders viel Zuspruch in ländlichen Regionen, wo sie im Laufe der ersten Jahren ihren Weg, raus aus den Atrios der Kirchen und Klöster ihren Weg auf die Straßen und Plätze der Dörfer fanden, wo sie typische Sitten, Trachten, Lieder und Gebräuche der jeweiligen Region mit aufnahmen.
Heute kennt man drei verschiedene Varianten von Pastorelas in Mexiko:
Die kirchliche Pastorela, die noch am stärksten ihre religiöse Botschaft an das Publikum konserviert hat. Die Sprache ist zwar rauh aber nicht frivol oder sozialkritisch. Aufgeführt wird sie in Kirchen und Klöster, in ländlichen Orten und in Historischen Stadtteilen. Die Hirten in diesen Aufführungen sprechen ihre eigene zum Teil derbe und naive Sprache und es kommt dadurch oft zu einer unfreiwilligen Komik.
Die volkstümliche Pastorelas der Stadtteile und Nachbarschaft finden auf Plätzen, in Gemeindehäuser und Museen statt. Die Sprache ist derb, ironisch und enthält viele sexuelle Anspielungen. Einen starken Einfluß auf Handlungen und Dialoge der volkstümliche Pastorela nahm die mexikanische Revolution 1910, in der das Selbstbewußtsein von Arbeitern und Bauern einen starken Wandel unterlag. So kamen im letzten Jahrhundert, vermehrt sozial-politische und aktuelle Themen in einer Pastorela zur Sprache.
Die erste theatralische Pastorela schrieb José Joaquin Fernández de Lizardi, der Anfang des 19. Jahrhunderts das Stück “La noche más venturosa” (1821) auf die Bühne brachte. Dieses Stück war die erste Pastorela, die auf einer Theaterbühne von professionellen Schauspielern und nicht mehr von Laien in Umgangssprache aufgeführt wurde. Aus dem größtenteils mundüberlieferten Volkstheater entwickelte sich ein klassisches Theaterstück. Wenn man von Anfang Dezember bis Anfang Januar einen Blick in das Programm von diversen mexikanischen Theatern wirft, so wird man sicher auf dieses Stück treffen. Auch wegen der Musik und den Tänzen lohnt sich ein besuch.
Das Restaurant des Ex Convento de Tepotzotlán richtet seit 1964, die alljährlichen traditionellen Pastorelas aus. Eine Pastorela mit ganz außergewöhnlichen Ausmaßen; angefangen von der eigentlichen Aufführung, in der neben 10 professionellen Schauspieler auch 50 Laienschauspieler aus dem Ort Tepotzotlán teilnehmen bis hin zu einen Essen mit typischen mexikanischen Gerichten. Vom 14 bis 23 . Dezember, jeweils ab 20:00 Uhr findet diese Veranstaltung im Patio des Antiguo Seminario de San Francisco Javier, heute Museo Nacional del Virreinato statt.
Das Programm beginnt mit der traditionellen Poche (eine heiße Tee-Sirupmischung mit Früchten), gefolgt von einen Gesangswettbewerb, die eigentliche Pastorela, die Letani der Pastorela, einer Prozession durch das Dorf, einen großen Lagerfeuer, Piñata-Schlagen, dem Abendessen und einen abschließenden Feuerwerk. Dies alles wird begleitet von Musik (div. Musikgruppen, Mariachi und Solokünstlern) und Tanzaufführungen – insgesamt 150 Akteure begeistern die Gäste jeder allabendlichen Pastorela.
Das typische mexikanische Essen besteht aus einer Pozole (Dicke Maissuppe mit viel Fleisch), den Pambazos (Schnittchen) , den Tamales (Maispaste mit Fleisch in Maisblättern), den Buñuelos (süßes Fettgebäck), verschiedene typische mexikanische Süßigkeiten, den Champurrado (Aufgeschäumte süße Atole, Maisstärkegetränk) und Café de olla (heißen Kaffee) usw.
Wer in den Wochen vor Weihnachten, in Mexiko Stadt ist sollte mal einen Blick in die Zeitschrift “Tiempo Libre” werfen. In dieser Zeitschrift kann man sehen, wo und wann es eine Pastorela gibt. Besonders schön ist die Pastorela im Ex-Convento del Carmen, heute das Museo del Carmen (Ave. Revolución No.4), in San Angel. Der Autor und Direktor der Pastorela Rafael Pardo führt eine mittlerweile schon 15 Jährige Tradition fort.
Ab Mitte Dezember finden im Innenhof des ehemaligen Klosters eine Aufführung statt. Für den Eintritt bekommt man einen Becher mit heißer Ponche (eine heiße Tee-Sirupmischung mit Früchten), sowie eine kleine Kerze für den abschließenden Rundgang durch die Gänge des Klosters.
Da die Aufführung, genauso wie in Tepotzptlán draußen stattfindet und es Nachts, im Dezember ziemlich kalt werden kann empfiehlt es sich eine dicke Jacke dabei zu haben. Vor der Bühne gibt es für ungefähr 120 Personen Sitzplätze. Die Aufführung wird durch einen Mönch, der eine Glocke schwingt eingeleitet. Begleitet von einer Gruppe von Musikern, die jeweils Musikstücke aus Veracruz, Guerrero und Jalisco spielen treten die Hirten (los pastores) ein. Bei den Hirten handelt es sich um ein ziemlich wüsten und arg rüpelhaften Haufen, die alle kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie einmal anfangen zu lästern. Nachdem das Publikum, die Hirten kennen gelernt haben verlassen diese, von einer Musikkapelle begleitet die Bühne. Mit einen gewaltige Paukenschlag und Feuerwerk erscheint der erste der sieben Teufel.
Sieben Teufel, entsprechend der sieben Todsünden treten nacheinander auf und stellen ihr Laster vor und alle haben die besten Ambitionen die Menschen mit ihren “Lastern zu beglücken”. In den folgenden Szenen (immer wieder mit Musik begleitet) sieht man die Hirten und ihre Familien (Frauen und Kinder), wie sie ihren Alltag leben und wie sie jeweils von einen der Teufel in Versuchung geführt werden. Doch bevor das Volk vollends von den Teufeln überrumpelt wird, erscheint der Erzengel Gabriel mit einem goldenen Schwert und ruft zum Wettkampf gegen die Teufel auf. Das kleine Völkchen versammelt sich und mit Unterstützung des Erzengels schaffen sie es, in einen Wettkampf die sieben Teufel zu besiegen.
Nach dem erfolgreichen Wettkampf können die Hirten endlich ihren Weg gegen Bethlehem fortsetzen und es erscheinen Maria und Josef, sowie das Jesuskind auf der Bühne. Sie tragen eine goldene Krone, was sie als eine Art Könige kennzeichnet. Die Hirten huldigen dem Paar und geben kleine Geschenke für das Jesuskind dar. Damit endet der Bühnenteil des Pastorela. Alle Zuschauer werden zu einer Prozession durch die mit Fackeln und Kerzen beschienenen Gänge des Klosters aufgerufen und die, zu Anfang verteilten Kerzen werden entzündet.
In einen Innenhof des Klosters versammeln sich die Zuschauer und Schauspieler zu einen anschließenden Letani der Posada. Im Anschluß daran werden 3 riesige, mit Süßigkeiten gefüllte Piñatas verlost (jede Eintrittskarte ist gleichzeitig ein Los). Vom Innenhof geht es in den, mit Kerzen und Fackeln beleuchteten Garten des Klosters, wo es noch eine heiße Atole zu trinken und zwei Tamales Oaxeños zu essen gibt.

Talavera und Azulejos

Was den Chinesen ihr Porzellan, das war viele Jahrhunderte lang den Spaniern und später den Mexikanern ihr Talavera. Talavera wird zwar auch nur aus “Ton” gemacht aber die Verarbeitung und die künstlerische Bearbeitung setzt es über die üblichen Tonwaren.
Die ersten spanischen Tonwaren die von Franziskanermönchen nach Mexiko gebracht wurden stammten überwiegend aus der spanischen Stadt Talavera, bei Toledo und wurden zur Ausschmückung von Kirchen und Altären verwandt, später auch verstärkt im privaten Bereich benutzt.
Mit der Zeit konnte der steigende Bedarf nach hochwertigen Keramikwaren nicht mehr durch Exportrationen gedeckt werden; zumal dies auch sehr kostspielig wurde. So entstanden die ersten mexikanischen Produktionsstätten, jeweils an den Orten, wo man den Ton fand, der für die Herstellung von Talavera benötigt wurde.
Einer dieser Orte ist Puebla, wo man mit der aufwendigen Herstellung im 17. Jahrhundert began. Aufwendig ist die Herstellung dieser ganz besonderen Art von Keramik, weil man verschieden Tonsorten mischt, so wird brauner, weißer und gelber Ton verknetet und so lange der Sonne ausgesetzt, daß ein Teil des Wassers aus ihm verdunstet. Dann wird er in einen dunklen feuchten Raum circa 30 Tage zwischengelagert, bevor er endgültig verarbeitet wird. Die Keramikware wird an der Sonne getrocknet und anschließend in einen Ofen bei 600 bis 800°C gebrandt. Anschließend werden sie kunstvoll bemalt, getrocknet und nochmals, diesmal aber bei über 1000°C gebrandt.
Ursprünglich wurden die Keramikgegenstände nur mit den Farben Blau und Weiß bemalt, später kammen noch orange, gelb, braun und grün hinzu. Dabei hilt man sich an die spanischen Muster, die ihrerseits auf arabische Vorbilder zurück gingen. Heute hat sich aber eine ganz eigene mexikanische Form der Bemalung entwickelt, die wiederum von Ort zu Ort variert. Die beliebtesten Produkte aus Talavera sind: Boden- und Wandfließen, Pflanzenkübel, Töpfe, Terrinen, Urnen, Teller und Tassen und seit einigen Jahren auch verstärkt Kerzenständer, Vasen, kleine Truhen und sogar Bilderrahmen.
Die Boden- und Wandfliesen, Azulejos genannt, vom Wort azul=blau findet man in alten Kirchen, Haciendas und auch noch heute in vielen Hotels und privaten Häuser. Sie sind ein schönes Mitbringsel, da sie sich harmonisch als Schmuckstücke mit braunen Bodenfliesen verarbeiten lassen. Heute findet man zahlreiche Talavera-Betriebe in Puebla, in Dolores Hidalgo, in Tlaquepaque und Tonala in der Nähe von Guadalajara.
Meist sieht man die Waren nur in Souvenirshops, wer aber Zeit hat sollte besser mal einen Blick beim Hersteller reinwerfen. Die meisten Produktionsbetriebe haben auch Ausstellungs- und Verkaufsräume. Hier sind die Keramikwaren zwar nicht so schön dekorativ aufgestellt, wie ind den Souvenirläden und es ist meist auch ziemlich staubig und etwas ungeordnet aber die Preise sind wesentlich niedriger. Auch kann man sich hier, ein Namensschild für das Haus auf Bestellung anfertigen lassen – was aber ein paar Wochen dauern kann.

Arbol de la Vida – Lebensbaum

Im Süden von Toluca, der Bundeshauptstadt des “Estado de México” befindet sich der Ort Metepec, der im ganzen Land wegen seiner Lebensbäume (árboles de la vida) bekannt ist. Alleine der Ort Metepec ist eine Reise wert. Die in leuchtenden Farben gestrichen und mit roten Ziegel gedeckten Häuser geben dem kleinen Ort ein filmreifes Ambiente.
Die Dorfbewohner, überwiegend Töpfer zeigen die Meisterschaft ihres Könnens schon mit der Gestaltung der Fassaden ihrer Häuser, die sie unter anderen mit dekorativen tönernen Töpfen, Sonnen, Monde, Engeln und anderen Figuren schmücken.
Anfang der vierziger Jahren, des vergangenen Jahrhundert begannen die Töpfer des Ortes, die religiösen Altarbilder (Reliefe) in den Kirchen aus Ton nach zu amen. Diese Reliefbilder aus Ton waren wesentlich leichter und kostengünstiger herzustellen als ihre hölzernenden Vorbilder. Besonders beliebt bei den Kunden wurde die Darstellung von Lebensbäumen, die zusätzlich die Funktion von Kerzenständern bekamen.
Ein besonders eindruckvolles Beispiel eines Arbol de la Vida kann man unter dem Dach, des Eingangsbereiches der Kirche Templo de Santo Domingo in Oaxaca sehen. Ursprünglich stellten diese Lebensbäume ausschließlich die biblischen Figuren Adam und Eva, neben einen Baum und mit einer Schlange dar. Im Laufe der Jahren kamen auch andere Motive, wie Blumen, Vögel und Schmetterlinge hinzu. Heute gibt es abhängig vom jeweiligen Künstler und vom Geschmack der Kunden, nicht nur Lebensbäume mit Adam und Eva sonder auch Bäume des Frühlings, der Geburt, des Todes (1. November – Dia de los muertos) usw.
Mannshohe Lebensbäume von mehreren Metern kann man u.a. in Mexiko Stadt, im Stadtteil Coyoacan und in Metepec selbst z.B. vor der Kirche El Calvario und San Juan Bautista bewundern. Wer sich einen umfassenden Überblick, über die Vielfalt und die Geschichte der Töpferei der Region holen will, kann dies im Museum “Museo de las Culturas” Centro Cultural Mexiquense, Ex-Hacienda de La Pila in Toluca tun.

Alebrijes

Die Alebrijes sind bunte Kunstfiguren aus Mexiko, die Tieren sehr ähnlich sehen. Man findet sie weltweit bei Mexikofreunden und -Kennern und sie sind aus der Kunst des Landes nicht mehr wegzudenken. Sie werden gefertigt aus dem Holz des Copal-Baumes.

Die Bezeichnung galt zu nächst nur für die Pappmaché-Figuren von Pedro Linares (1906-1992), mittlerweile nennt man aber auch die durch Manuel Jiménez (1919-2005) bekannt gewordenen Holzschnitzereien aus Oaxaca.

Andere Begriffe für diese Gegenstände sind u.a. auch figuras, animalitos oder monos. Bekannte Künstler die heute Alebrijes erstellen sind Jacobo Ángeles und Bertha Cruz, sowie die Familie des mittlerweile verstorbenen Manuel Jiménez.

Die Fertigung ist heute sogar wirtschaftliche Grundlage für viele Familie in Dörfern wie San Antonio Arrazola oder San Pedro Cajonos. Einige Alebrijes kann man auch im Museo Estatal de Artes Populares de Oaxaca in San Bartolo Coyotepec besichtigen.

 

Papier

Nicht nur für die mexikanische Volkskunst sind die Häfen Veracruz und Acapulco von erheblicher Bedeutung. Über Veracruz kamen Menschen und Waren aus Europa und Afrika und auch noch heute kann man einen leichten afrikanischen Einfluß bei den Menschen und in der Musik feststellen. Über Acapulco kamen sehr viele Waren aus Asien ins Land.
So kann man heute noch eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen den Phillipinen und Mexico erkennen, da sehr viele Schiffe von dort aus über den Pazifik rüber kamen. Aus China kam neben Porzellan, Schießpulver, Seide usw. auch Papier. Nicht irgend ein Papier sondern das so genannte “Papel de China”, Chinapapier das nicht nur zur Herstellung von Piñatas sondern auch für Scherenschnittbilder benutzt wird.
Diese Scherenschnittbilder heißen in Mexiko “Papel Picado” und sind auch keine mexikanische Erfindung. Nur, daß diese Kunst in Mexiko zu einer einzigartigen “Massenproduktion” ausgebaut wurde, da man nicht nur ein einziges Bild ausschneidet. Für ein Girlande, die auf keiner mexikanischen Fiesta fehlen darf benötigt man eine ganze Reihe von “Papel Picados”. Bei der Herstellung legt man bis zu 50 Blätter übereinander und fixiert sie an den Rändern mit Nägeln. Oben auf, legt man ein Schablone und trägt das Muster auf. Dieses Muster wird dann mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Meißeln ausgehämmert und fertig sind 50 total identische Papel Picados.
Neben der Herstellung von Serien gibt es aber immer noch die Einzelfertigung. Dabei handelt es sich um Bilder höchster künstlerischen Qualität. Diese Bilder werden seit neusten auch bemalt angeboten. – Ein bekannter Ort für deren Herstellung ist “San SalvadorHuixcolotla” in Puebla aber auch in vielen anderen Orten wird in den Familienbetrieben auf das “papel de chino” gehämmert. Besonders schöne Exemplare hängt man am besten auch nicht einfach wie eine Girlande an eine Schnur oder mit Reißzwecken auf.
Am schönsten kommen sie in einen schlichten Bilderrahmen zur Geltung. Scheren-schnittbilder wurden vermutlich das ersten mal von einen gewissen Tsái Lun, einem Gefolgsmann des Eroberers von Cathay Ho Ties im Jahre 105 v. Chr. gemacht. In Polen heißen sie “wycinanki”, in China “hua yang”, in Japan “kirigami”, in Frankreich “Silhouettes” und in Mexiko halt “Papel Picado”. Besonders schöne Exemplare kann man u.a. im Museum “Nacional de Cultura Populares” (Volkskunstmuseum) in Coyocán, Mexico City sehen.

Papel Amate

Papel amate wird das aus der Rinde des Jonote Baumes hergestellt und ist ein Produkt prähispanischen Ursprungs. Schon die altenAzteken schrieben ihre Codices auf Baumrindenpapier. Die Herstellung von Amate-Papier wurde insbesondere auch wegen seiner wichtigen Funktion bei den religiösen Zeremonien lebendig erhalten. Das Papier, daß bei besonderen Zeremonien früher auch den Göttern als Geschenk geopfert wurde, wird auch heute noch in Handarbeit hergestellt und für die Fertigung verschiedener Kunsthand- werkgegenstände gebraucht.
Heute gehört das handbemalte und in alle Welt exportierte Papel Amate zu den farbenfrohen und besonders preiswerten Mitbringseln. Mit geometrischen Mustern bemalt oder graviert werden ausgehöhlte Kalebassen, die schließlich als Aufbewahrungsgefäße für wenige Pesos verkauft werden.

Piñatas

Auch für Piñatas wird “papel de China” benutzt und dort wo sie aufgehängt und anschließend zerschlagen werden, hängt auch oft auch eine Girlande aus “Papel Picado”. Auf dem Foto links sieht man ein besonders große und schöne Piñata. Genauso wie beim Papel Picado, gibt es hier sogenannte Massenware aber auch wunderschöne Einzelstücke von künstlerisch hoher Qualität. Piñatas werden nicht nur zum Geburtstag sondern auch gerne zu Weihnachten aufgehängt und zerschlagen.