Klima, Wetter und Naturkatastrophen von Kanada

Das Klima in Kanada ist regional durchaus unterschiedlich und hat bei Temperaturen, Niederschlägen und Anzahl von Sonnentagen große Differenzen innerhalb des Landes. Die Bandbreite reicht grob von den gemäßigten Klimazonen bis hin zum Polarklima des Nordens. Aufgrund fehlender Gebirge in Ost-West-Richtung kann das Wetter oft schnell wechseln.

kanadische flagge
Flagge von Kanada

Die meisten verbinden mit Kanada lange, kalte und schneereiche Winter und kurze aber „schöne“ Sommer. Das ist für weite Teile des Landes durchaus mit borealem Klima passend umschrieben. Im Osten des Landes befinden sich die Atlantikprovinzen, u.a. Nova Scotia, wo es im Winter nicht so kalt wird und Schnee ist eher selten. Hier hat auch der Golfstrom mildernden Einfluss.

 

Indian Summer und kontinentale Winter

Auch der Herbst ist in dieser Region mild und Nova Scotia und New Brunswick sind besonders bekannt für die herrlichen Tage und Wochen im Indian Summer, wenn sich weite Teile der Wälder in buntesten Farben bei klaren, sonnigen Herbsttagen präsentieren.

Dann ist dieser Bereich genauso wie auch Ontario oder Quebec ein beliebtes Reiseziel für Romantiker und andere Freunde der bunten Herbstfarben. Je nach Zeit und Region sollte man sich dann zeitig um Unterkünfte bemühen, sofern man nicht mit dem Wohnmobil oder Camper unterwegs ist.

Besonders ausgeprägt sind die Jahreszeiten in Quebec und Ontario, die Winter sind hier schon sehr kalt und schneereich, die Sommer schwül-heiß, die Übergangszeiten sind ebenfalls angenehm. Die Prärieprovinzen Manitoba, Alberta und Saskatchewan sind relativ trocken und ausgesprochen kontinental (die Meere sind weit entfernt), so dass auch hier die Winter kalt und die Sommer heiß sind.

Da sich hier aber auch die „Kornkammern“ und die wichtigsten Farmgebiete befinden, sind Dürreperioden hier wirtschaftlich und nahrungstechnisch besonders gravierend für die Menschen und die gesamte Wirtschaft Kanadas. Es kann auch hier häufig zu Gewittern kommen und auch Tornados und Hagel kommen vor.

Nach den USA ist Kanada das Land mit den meisten Tornados weltweit. Besonders gefährdet ist dabei das südliche Ontario aber auch die Prärieprovinzen. Hurrikans kommen dagegen an der Ostküste bzw. den Atlantikprovinzen insbesondere Nova Scotia vor. Ein besonderer Wind ist der Chinook, der an der Ostseite der Rocky Mountains auftritt. Ähnlich wie der Föhn in den Alpen kann er innerhalb kürzester Zeit die Temperaturen nach oben schießen.

Weltbekannt wurde er bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary, als er einen Temperatursprung von -30°C auf +12°C verursachte und einige Wettbewerbe abgesagt werden mussten.

 

Milde Temperaturen am Pazifik

Bei Kanadiern auch als Alterssitz bevorzugt ist das an der südlichen Westküste milde British Columbia. Vancouver gilt als eine Stadt mit ausgesprochen hoher Lebensqualität, auch aufgrund der für kanadische Verhältnisse milden Temperaturen im Winter. Das Wetter in Vancouver ist allerdings auch recht feucht und ein Regenschirm sollte immer im Gepäck sein.

Hier regnen sich viele Wolken vor den Gebirgen ab, trockener ist es dagegen in dem nahen Victoria, welches durch sein sonnenreiches und angenehmes Klima herrliche Botanische Gärten aber auch hohe Immobilienpreise hervorbringt. Für die Kälte gewohnten Kanadier aus dem Landesinneren ist das Wetter in Victoria äußerst angenehm und mild.

Ursächlich hierfür ist die Kuroshio-Strömung im Pazifik, die auch weiten Teilen in Japan ein mildes Klima schenkt. Durch diese Auswirkungen haben das südliche British Columbia und besonders auch Vancouver Island ein Klima, dass man durchaus schon als warmgemäßigt bezeichnen kann.

Eine weitere Besonderheit beim Klima Kanadas ist die Region im Bereich des Okanagan Valley, wo relativ wenig Niederschlag fällt und sogar Wein (!) angebaut wird.

Neben Wein wird hier auch viel Obst angebaut, zum Beispiel findet man Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Äpfel und Birnen. Aufgrund der regional ausgeprägten Trockenheit gibt es in British Columbia sogar wüstenähnliche Zonen, die man auf den ersten Blick wesentlich weiter südlich vermuten würde. Im Sommer kann man hier Temperaturen um die 40 °C vorfinden.

Naturkatastrophen

Im Gegensatz zu den USA ist Kanada sehr selten in den Schlagzeilen. Dies gilt nicht nur für politische Fragen, sondern auch was Naturkatastrophen angeht. Kanada wird im allgemeinen als ruhiges und sicheres Land angesehen. Das stimmt grundsätzlich, trotzdem gibt es auch hier durchaus Potential für unterschiedliche Naturkatastrophen.

Es gibt einige geografische Regionen, die zum Beispiel anfällig für Erdbeben sind. Dies sind insbesondere die Regionen die im Bereich des Ring of Fire (Pazifischer Feuerring) liegen. In Kanada betrifft dies in erster Linie die Westküste, hier können vereinzelt auch Tsunamis als Folge von Erd- und Seebeben auftreten. Vornehmlich vor Vancouver Island aber auch im gesamten Südwesten von British Columbia kann es aufgrund der Tektonik zu heftigen Erdbeben und Tsunamis kommen. Das die gesamte Westküste Nordamerikas gefährdet ist, ist hinlänglich bekannt. Los Angeles und San Francisco haben in ihrer Geschichte schon viele Erdbeben erlebt.

 

Erdbeben in British Columbia

Aber erst am 09. September 2011 gab es auch in Vancouver ein Erdbeben mit einer Stärke von immerhin 6,4. Dabei wurden die Hochhäuser der Metropole ziemlich durchgeschüttelt, es gab allerdings zum Glück keine nennenswerten Schäden oder Verletzungen der betroffenen Einwohner. Trotzdem warnen Seismologen schon seit Jahrzehnten vor dem „The Big One“, einem Beben das die Westküste Nordamerikas empfindlich treffen kann.

Allerdings muss man feststellen, dass in den letzten Jahrzehnten meist der südliche Bereich insbesondere in der Region an der San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien betroffen war. Es gab in den vergangenen 300 Jahren aber immer mal wieder auch Erdbeben in British Columbia, allerdings mit verhältnismäßig wenig Todesopfern. Auch für das Big One-Beben ist nicht gänzlich ausgeschlossen, dass auch die kanadischen Regionen betroffen sein werden oder hier sogar der Schwerpunkt liegt.

Das es in Kanada bei zurückliegenden Erdbeben kaum Personenschäden gab, liegt insbesondere natürlich auch an der geringen Besiedlung des Landes. Die Gefahr das Personen zu schaden kommen, ist in dicht besiedelten Länder (wie zum Beispiel Japan oder Indien) potenziell höher, als in dünn besiedelten Staaten wie Kanada oder auch Neuseeland.

In diesem Zusammenhang sehen Erdbebenforscher durchaus mit Besorgnis, dass der Großraum Vancouver und Victoria in den letzten Jahrzehnten deutlich an Bevölkerung zugenommen hat.

Nicht ohne Grund legt man in den Ballungsgebieten im Südwesten des Landes immer mehr Wert auf Informationen und Schulungen zum richtigen Verhalten bei einem Erdbeben. Selbst Schulklassen aber auch Unternehmen machen regelmäßig entsprechende Übungen für den Notfall.

 

Hurrikans und Blizzards

Soviel zum äußersten Westen Kanadas. Die Atlantikprovinzen werden dagegen häufig von Ausläufern der Hurrikans (Hurricanes) heimgesucht. Dort können sie durchaus ernste Zerstörungen vornehmen.

Insbesondere die Provinz Nova Scotia ist durch ihre exponierte geografische Lage als weit in den Atlantik hineinragende Halbinsel gefährdet. Halifax aber auch andere Städte in der Region werden hin und wieder von Hurrikans und Tropenstürmen getroffen oder zumindest deren Ausläufern gestreift. Insbesondere bei Holzhäusern kann dies dann je nach Lage und Bauart zu immensen Schäden bis zur kompletten Zerstörung führen.

Der gesamte Süden und Osten der USA ist für Hurrikans besonders gefährdet, in Kanada sind sie meist schon ausgebremst. Meist schwächen sich die Stürme über dem Land rasch ab, so dass es auch immer entscheidend ist, wo sie auf Land treffen. Dabei werden die Stürme in der Regel von den zuständigen Behörden und Meteorologen früh erkannt und in ihrer Laufbahn berechnet.

Oft bleibt auch ausreichend Zeit für Evakuierungen in den besonders gefährdeten Gebieten. Die Vorstufe zum Hurrikan ist der Tropensturm mit Windgeschwindigkeiten bis 118 km/h, darauf folgen fünf Stufen von Hurrikans wobei Stufe 5 ab 250 km/h beginnt. Es empfiehlt sich auf jeden Fall während der Hurrikansaison (1. Juni – 30. November) die Medien zu verfolgen, insbesondere wenn tatsächlich einmal der eher seltene Fall eintritt, dass ein stärkerer Hurrikan auf Nova Scotia oder die anderen Atlantikprovinzen Kurs nimmt.

Auch kann es in Nordamerika, insbesondere in weiten Teilen Kanadas, den Northern Plains und dem Nordosten der USA zu Blizzards kommen. Diese starken Schneestürme sind besonders berüchtigt und bringen kalte Luft aus der Polarregion in die betroffenen Regionen. Da es in Nordamerika keine schützenden Gebirge in Ost-West-Richtung gibt, können sie weit in den Süden der USA vordringen (vereinzelt sogar bis in die südlichen US-Bundesstaaten wie Florida, Georgia oder Texas).

Die Stürme bringen kalte Temperaturen von -6 °C oder tiefer und führen große Schneemassen mit. Sie setzen die Sichtweite auf 400 m oder weniger herab, haben eine Geschwindigkeit von mindestens 56 km/h und dauern mindestens 3 h.

 

Tornados – meist im südlichen Ontario und der Prärie

Besonders unberechenbar sind die Tornados bzw. Twister. Ein Tornado ist ein kleinräumiger Luftwirbel mit quasi senkrechter Drehachse und Bewölkung. Diese Stürme treten gerne bei Gewittern auf, vornehmlich in den fruchtbaren Ebenen der Subtropen und den gemäßigten Zonen. Die meisten Tornados trifft man im Mittleren Westen der USA an, insbesondere im sogenannten Tornado Alley. Sehr häufig betroffen von Tornados sind die US-Bundesstaaten Kansas, Oklahoma, Nebraska und Texas.

Dort können auch aufgrund der leichten Bauweise ganze Ortschaften zerstört werden. Hier gibt es zu deren Entstehung ideale Wetterbedingungen zwischen den Rocky Mountains und den Great Plains.

Leider ist jedoch auch Kanada regional von Tornados betroffen, insbesondere das südliche Ontario (besonders südlich von Toronto in Richtung USA) und Alberta, aber auch die anderen Prärieprovinzen Manitoba und Saskatchewan. Ebenfalls können regional das südliche Quebec, New Brunswick und das zentrale British Columbia Tornados aufweisen. Die Klassifizierung der bisher weltweit auftretenden Tornados erfolgt über die Fujita-Skala, wobei diese von F0 – F5 unterteilt werden.

Dabei beginnt F0 bei 64 km/h und endet F5 bei 512 km/h. Bezüglich der Tornados gilt das gleiche wie bei den Erdbeben: im Vergleich zu den mehr gefährdeten Regionen in den USA befindet sich Kanada eher in der Randzone, die Zerstörungen sind daher weniger brisant bis gar nicht zu verzeichnen. Meist wird in Kanada aufgrund des kühleren Klimas auch solider gebaut als beim südlichen Nachbarn (wobei man trotzdem keine deutschen Maßstäbe voraussetzen sollte).

Im Süden der Provinzen Ontario, Alberta und Saskatchewan gibt es auch Gebiete mit relativ vielen Blitzeinschlägen, sogenannte Lightning Hot Spots. Auch Hagel (besonders bekannt für dieses Wetterphänomen ist die Gegend zwischen Calgary und Edmonton) und starke Gewitter sind in Kanada je nach Region nicht ungewöhnlich und können starke Schäden verursachen. Tote sind dabei selten, aber die wirtschaftlichen Schäden für die Landwirtschaft und die örtlichen Farmer sind mitunter verheerend.