Familienurlaub in Vorarlberg und der Bodenseeregion

Der Bodensee zählt bekanntlich zu den beliebtesten Reisezielen Deutschlands, ebenso ist das Nachbarland Österreich einer der großen Urlaubsfavoriten deutscher Urlauber.

Eine gelungene Kombination beides zu erleben ist ein Besuch in Bregenz, der Landeshauptstadt von Vorarlberg. Die Stadt ist nicht nur bekannt für die alljährlich im Sommer stattfindenden Bregenzer Festspiele auf der einmaligen Seebühne, sondern auch für zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten und Events.

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Am Hafen von Lindau am Bodensee in Bayern (c)

Um Bregenz herum liegen zahlreiche kleinere Orte mit reichlich Bergluft und Wandermöglichkeiten, ideal für Familien mit kleinen Kindern.

 

Bregenz und Bregenzerwald

Wir entschieden uns über “UrlaubamBauernhof.at” für den von Familie Nigsch geführten Panoramahof Stollen im Ort Langen bei Bregenz als Urlaubsunterkunft.

Der kleine Bauernhof bietet neben einer -wie der Name zu Recht vermuten lässt- umwerfenden Panoramaaussicht zwei wunderschöne und moderne Ferienwohnungen, einen kleinen Spielplatz, viele Milchkühe, Hühner, Ponys und Katzen. Jeden Morgen gab es für uns frische Milch und Eier.

Die in Österreich übliche Gastfreundschaft ist auch hier zu unterstreichen, denn die Betreiber sind sehr freundlich und engagiert. Man fühlt sich vom ersten Moment des Urlaubs auf dem Panoramahof wohl!

Der Hof liegt idyllisch oberhalb des Ortes und bietet hervorragende Möglichkeiten auch für Wanderungen mit Kindern. Auf einem Bauernhof ist bekanntlich immer etwas los: die Katze des Hofs hatte vor drei Wochen fünf Kätzchen geworfen und somit war unsere Tochter mehr als beschäftigt. Unser Sohn kam derweil schon von seiner ersten Traktorfahrt zurück. Urlaub kann so schön sein!

Wer seine Ferien in Vorarlberg verbringt, erfährt schnell, dass die Mentalität in Vorarlberg eine andere ist, als im übrigen Österreich. Dies fängt schon bei der Sprache an, die als alemannische Sprache mehr an die Schweiz und Schwaben erinnert, als an Österreich.

Im vorarlberg museum erfährt man in diesem Zusammenhang weitere Details. Zum Beispiel die Anekdote, dass die fleißigen Vorarlberger früher ihre Sitzbänke nicht vor dem Haus (sondern dahinter) hatten, damit sie von den Nachbarn nicht der Faulheit bezichtigt werden konnten. Auch bei der frühen Einführung des Radios waren die Vorarlberger zurückhaltend, weil sie dem passiven Sitzen und Zuhören nichts abgewinnen konnten.

Das vorarlberg museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nicht nur Erwachsene werden sich an den vielen Ausstellungsstücken zur Geschichte und Kultur des westlichsten Bundeslandes der Republik Österreich erfreuen, sondern auch die Kinder. Sie können römische Münzen abpausen, mit kleinen Kuhglocken musizieren oder sticken. Im Panoramaraum hat man durch ein riesiges Fenster eine schöne Aussicht auf den Hafen und kann die Eindrücke etwas sacken lassen.

Wer Bregenz besucht, der sollte bei schönem Wetter nicht nur einen Streifzug durch die gemütliche Innenstadt und entlang der Seepromenade machen, sondern auch den Hausberg Pfänder (Tipp!) erklimmen.

Dies kann man zu Fuß oder aber mit der Pfänderbahn machen. Der Berg ermöglicht mit seinen 1.062 m einen hervorragenden Blick über den Bodensee und auf 240 Alpengipfel.

Für Kinder gibt es außerdem dort oben einen spannenden Spielplatz und einen interessanten Wildpark mit der Alpentierwelt und einen schönen, aber nicht allzu anstrengenden Rundweg. Unser in eher flacher Umgebung aufwachsender Sohn fragte dann allerdings doch gegen Ende erbost, wann denn der Berg endlich aufhöre. Die spannende Seilbahnfahrt nach unten hat dann aber schnell wieder für Ablenkung gesorgt.

Was sowohl uns, als auch den Kindern sehr gefallen hat, war ein Besuch bei einem Mitglied der KäseStrasse Bregenzerwald. Wir hatten uns dazu die Alpe Gerisgschwend ausgesucht. Sie liegt unweit der deutschen [bayerischen;-)] Grenze und wird nur im Sommer betrieben.

Josef Schwärzler stellt hier noch nach alter Tradition einen herrlich-aromatischen Bregenzerwälder Alpkäse her und nimmt sich gerne Zeit um sein Handwerk auf dem ca. 400 Jahre alten Hof auch für Kinder spannend zu erklären. Unser Sohn war fasziniert von dem alten Ofen, unsere Tochter war begeistert von den Hoftieren und freundete sich schnell mit dem Kälbchen an.

Sehr praktisch wenn man Kinder dabei hat: man braucht sich nicht genieren. Unser Sohn fragte Josef alle zwei Minuten: Wann gibt es denn was zu essen? Die Verkostung des leckeren Käses war der Höhepunkt dieses schönen Ausflugs und wir nutzen natürlich am Ende die Möglichkeit dieses lokale Produkte direkt beim Erzeuger zu erstehen.

 

Bodensee

Vom Bregenzer Hafen starten zahlreiche Linien, die die Vorarlberger Hauptstadt mit den anderen Städten am Bodensee verbinden. Bei schönem Wetter bieten sich Touren zum Beispiel nach Deutschland an, wie etwa nach Friedrichshafen, Meersburg, Mainau und Konstanz.

Wir haben uns mit einer kurzen Tour nach Lindau begnügen müssen, da es an unserem letzten sonnigen Tag schon recht spät war. Die Atmosphäre im Hafen von Lindau, wo auch der Mangturm mit dem Rapunzelzopf steht, ist bei Sonne mediterran anmutend.

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Eine Bodenseetour ist für Familien interessant (c)

Nach Lindau haben wir an einem Regentag auch noch einmal einen Ausflug gemacht und dort das Schwimm- und Spaßbad Limare besucht. Leider war die Rutsche zurzeit außer Betrieb, was für die Kinder natürlich enttäuschend war. Exotisch anmutend, aber sehr zu empfehlen ist der angegliederte asiatische Imbissanbieter im Limare. Hier kann man nicht nur lecker essen, sondern wird auch noch sehr freundlich bedient. Und für asiatische Küchen bemerkenswert: für die Kleinen gibt es auch Pommes und Schnitzel.

Bei gutem Wetter wäre sicherlich auch ein Besuch in den vielen Bädern von Bregenz interessant gewesen, unter anderem bietet das Bregenzer Strandbad mit Familienweise und 400 m Bodenseestrand eine interessante maritime Seite der Stadt.

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Minigolf geht immer als Zeitvertreib (c)

Einmal spielen wie die Weltmeister? In diesem Sinne hat uns die Minigolfpartie in Hard begeistert. Auf der idyllisch gelegenen Minigolfanlage direkt am Bodensee und nicht weit von Bregenz wurden bereits zwei Europa- und eine Weltmeisterschaft ausgetragen.

 

Dornbirn und Umland

Für Familien mit Kindern absolut zu empfehlen ist ein Besuch in der Erlebnis Naturschau inatura (Tipp!) im gut zu erreichenden Dornbirn. Die inatura entstand 2003 auf einem ehemaligen Werksgelände und ist ein bemerkenswertes naturwissenschaftliches und interaktives Museum, wo man aus dem Stauen nicht mehr herauskommt. Es lockt nicht ohne Grund besonders jugendliche Gäste aus der ganzen Region und den Nachbarländern an.

Hier findet man nicht nur Allgemeines zum Thema Naturwissenschaft, sondern auch Hintergründe zu den für Vorarlberg relevanten Themen wie lokale Tierwelt und Lawinen. Auch auf die Landschaft der Region wird medial eingegangen und man kann auch seine Muskelkraft bei der Stromerzeugung einsetzen.

Wir haben in der Inatura soviel Zeit verbracht, dass wir für das Rolls-Royce-Museum (das wohl weltweit Größte!) keine Zeit mehr hatten. Dafür konnten wir aber wenigstens noch das Krippenmuseum von Dornbirn besuchen. Hier kommt nicht nur bei Kindern Weihnachtsstimmung auf und man findet einige beeindruckende Weihnachtskrippen aus Österreich und anderen Ländern der Erde.

Der freundliche Herr am Museumsempfang gab uns zum Glück dann auch noch den Tipp zumindest einige Minuten des Weges zur naheliegenden Rappenlochschlucht zu gehen, wo wir sehr schnell einen imposanten Wasserfall besichtigen konnten. Selbst gehfaule Kinder kommen bis zu diesem Punkt und der Wasserfall sollte die Kleinen immer begeistern.

Von Dornbirn aus bietet sich außerdem noch eine Fahrt auf der anspruchsvollen Straße zur Walsersiedlung Ebnit an. Aber Achtung: für Fachlandbewohner wie uns durchaus eine kritische Herausforderung.

Ebnit ist ein sehr schöner Ort. Leider konnten wir nur ein wenig die Aussicht und die Atmosphäre genießen, um dann später wieder in Richtung Bauernhof zu fahren.

 

Fürstentum Liechtenstein

An unserem letzten Tag machten wir einen Ausflug nach Liechtenstein. Da wir durch die Schweiz fuhren, war dieser Staat schon das vierte Land unserer Reise. Wer in dieser Region Urlaub macht, hat tatsächlich die Möglichkeit alle deutschsprachigen Staaten der Welt kennenzulernen. Wenn er will sogar an einem Tag!

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Vaduz ist eine kleine aber interessante Stadt (c)

Mit einer Fläche von 160 qkm ist das Fürstentum das sechst kleinste Land der Erde, aber immerhin noch fast 80 (!) mal größer als Monaco. Mit seinen vielen und gut erreichbaren Sehenswürdigkeiten ist es ein guter Ort für Ferien – egal ob für einen Tagesausflug oder einen längeren Zeitraum.

Der Lebensstandard der Liechtensteiner ist einer der höchsten der Welt, die Arbeitslosenrate niedrig. Tausende Arbeitskräfte pendeln außerdem täglich von der Schweiz und Österreich in den Wirtschaftsstandort Liechtenstein. Die liechtensteinische Wirtschaft ist zwar stark vom Dienstleistungssektor geprägt, im Gegensatz zu manchen verbreiteten Annahmen macht der Banken- und Finanzsektor allerdings gerade einmal gut ein Viertel der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Kleinstaaten wird in Liechtenstein auch richtig produziert, wie etwa der weltweit bekannte liechtensteinische Werkzeughersteller Hilti beweist.

Als Tourismusdestination hat sich das kleine Land mittlerweile einen Namen gemacht. Im Sommer bietet es u.a. Wandermöglichkeiten in die Bergwelt, im Winter lockt außerdem Malbun, ein modernes und attraktives Skigebiet. Vaduz, der Hauptort hat eine freundliche und gemütliche Atmosphäre. Über dem Ort thront das Schloss Vaduz, der Sitz des Fürstenhauses Liechtenstein, einem der ältesten Adelshäuser Europas.

Nachdem wir uns im Liechtenstein Center erste Informationen besorgt hatten, erhielten wir von der freundlichen Dame dort auch den Souvenir-Stempel des Fürstentums. Quasi als Beweis, dass wir das Land trotz seiner geringen Größe gefunden hatten.

Danach verfielen wir kurz in eine Starre, denn wir waren uns nun bewusst, dass jede Menge Top- Sehenswürdigkeiten um uns herum fußläufig in alle Richtungen erreichbar waren.

Wir entschieden uns, zunächst die Tour mit dem Citytrain zu machen. Die Fahrt begann unter der Freude der japanischen Fahrgäste mit einem Liedchen namens “Liechtensteiner Polka”. Der kleine Zug bewegte sich nun rund um Vaduz, wir sahen u.a. das aus dem Spätmittelalter stammende “Rote Haus”, die Hofkellerei und das Rheinpark Stadion Vaduz, wo nicht nur die liechtensteinische Nationalmannschaft, sondern auch der FC Vaduz ihre Heimspiele austragen.

Wieder am Haltepunkt angekommen, machten wir uns durch die lebendige kleine Fußgängerzone auf ins Liechtensteiner Kunstmuseum, wobei dies eher für Erwachsene interessant ist. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen (Schleuse) und unter den Augen von Security konnten wir danach in der Schatzkammer Liechtensteins neben anderen Kostbarkeiten auch echtes Mondgestein bewundern. Dieses erhielten die Liechtensteiner als Dank der USA von der Apollo-11-Mission, für die damals von der Balzers AG bereitgestellte technische Hilfe.

Im Liechtensteiner Landesmuseum erfuhren wir mehr über die Archäologie und Natur des Landes, im oberen Stock fanden wir eine beeindruckende Sonderausstellung zu Marilyn Monroe. Wir schauten danach noch kurz den spannenden Brunnen vor dem Museum an und besichtigten danach von außen noch den interessanten Bau des Landtags.

In Vaduz findet man an jeder Ecke entweder einen Brunnen, eine Skulptur oder einen anderen Blickfang. Natürlich gibt es neben den Souvenirshops auch die vermuteten teuren Läden mit schweizer Uhren, Mode und Schmuck. Aber man fühlt sich hier als Tourist genauso willkommen, wie als Millionär. Um Vaduz herum liegt eine beeindruckende Bergwelt mit hohen, schneebedeckten Gipfeln. Eine beschauliche und zugleich imposante, neugierig machende Kulisse.

Der Tag in Liechtenstein ging dann leider wie der gesamte Urlaub viel zu schnell zu Ende. Hier hätten wir noch viel mehr entdecken können!

Die Bodenseeregion um Vorarlberg hat nicht nur Berge und Seen zu bieten, sondern auch eine interessante Kultur, interaktive Sehenswürdigkeiten, Gastlichkeit und lokale Spezialitäten.

Hier kann man sich eigentlich nur wohl fühlen!