Deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ist eine der größten Volkswirtschaften der Welt und Europas. Beim Human Development Index “spielt” Deutschland als sehr hoch entwickeltes Land ebenfalls ganz oben mit. Wie viele Staaten der EU ist Deutschland heute eine starke Dienstleistungsgesellschaft (74 % Anteil an der Wirtschaftsleistung), gefolgt von der Industrie (24 %) und einer eher geringen Landwirtschaft (2 %).

Obwohl Deutschland im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Ländern wie etwa Japan einige Rohstoffquellen besitzt (es kommen und werden abgebaut unter anderem Baustoffe, Eisen, Industriemineralien, Kohle, Silber und Zinn), ist die hiesige Industrie auf umfangreiche Rohstoffimporte angewiesen.

Trotzt der starken Rolle der Dienstleistungen ist Deutschland immer noch in vielen Bereichen der Industrie der Weltmarktführer. Dabei kommt den Deutschen bis heute eine wichtige Rolle in der Entdeckungen von technischen Innovationen zu.

 

Deutsche Erfindungen

Die Deutschen waren schon immer eine innovative Gesellschaft und so verwundert es nicht, dass die Liste der Erfindungen mit Ursprung aus Deutschland lang ist. Bis heute ist Deutschland eines der Länder mit den meisten Patentanmeldungen pro Kopf.

Im Jahre 1440 erfand der Mainzer Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern, 1796 entdeckte der in Meißen geborene Arzt Samuel Hahnemann die Homöopathie,  1859 erfindet der Hesse Philipp Reis das Telefon, Julius Lothar Meyer erfindet 1864 mit dem Russen Dmitri Mendelejew das Periodensystem und 1866 folgt Werner von Siemens mit der Erfindung des Dynamo und 1881 die Straßenbahn.

Gottlieb Daimler erfand unter anderem das Motorrad und das erste Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor auf vier Rädern. 1886 erfand er mit Karl Benz das Automobil. Rudolf Diesel erfand 1890 den Dieselmotor und 1902 Robert Bosch die Zündkerze.

Erfindungen Deutscher oder aus Deutschland stammender Personen sind außerdem die Jeans (Levi Strauss aus Buttenheim), Schallplatte und Plattenspieler (Emil Berliner), das Tonband (Fritz Pfleumer), die Thermosflasche (Reinhold Burger), das Gleitflugzeug (Otto Lilienthal), das Aspirin (Felix Hoffmann), die Kleinbildkamera (Oskar Barnack), die Nutzung der Röntgenstrahlung (Wilhelm Conrad Röntgen), der Dübel (Artur Fischer), den Kaffeefilter (Melitta Bentz), den Teebeutel (Adolf Rambold) und die Gummibärchen (Hans Riegel, HARIBO).

Der internationale Luftverkehr profitierte von der Erfindung des Düsentriebwerks durch Hans von Ohain 1936, im gleichen Jahr erfindet Heinrich Focke den Hubschrauber.

Otto Hahn erfand 1938 die Kernspaltung. Einer der bekanntesten deutschen Erfinder war Albert Einstein, der 1905 die Relativitätstheorie entwickelte und 1922 den Nobelpreis erhielt. Manfred Baron von Ardenne war ein bedeutender Erfinder im Bereich der Funk- und Fernsehtechnik. Konrad Zuse gilt als der Entdecker des Computers, weil er bereits 1941 den Z3-Rechner entwickelte. Weitere Erfindungen aus jüngerer Zeit sind außerdem der Airbag (Mercedes Benz) und das MP3-Format (Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen).

Deutschlands Wohlstand ist auch diesen zahlreichen teilweise bahnbrechenden Erfindungen zu verdanken. Man sagt nicht ohne Grund, dass die wichtigste Ressource des Landes die Ideen und die Bildung der Menschen ist.

 

Bekannte und erfolgreiche Global Player

Im Ausland ist besonders die deutsche Automobilindustrie symbolisch für Deutschland als erfolgreicher Entwicklungs- und Produktionsstandort. Bekannte und gefragte Automarken wie Volkswagen (VW), Daimler und BMW. Diese drei Konzerne sind alle in der Top 10 der größten deutschen Unternehmen nach Umsetz. Zu Volkswagen gehören neben VW auch die bekannten Automarken Audi, Seat und Škoda sowie Premiummarken wie Bentley, Bugatti, Ducati, Lamborghini und Porsche.

Auch andere hochtechnisierte Bereiche sind wichtige Säulen der deutschen Wirtschaft wie etwa Nutzfahrzeuge, Maschinenbau (, Elektrotechnik (Siemens, Bosch) und die chemische Industrie (BASF, Bayer, Fresenius, Linde, Henkel). Große Handelsketten sind die Metro AG, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Rewe, Aldi und Edeka aber auch Otto und Tengelmann. Aldi-Märkte findet man nicht nur in Europa, sondern auch in Ländern wie den USA und sogar Australien.

Deutschlands größtes Stahl- und Technologieunternehmen ist ThyssenKrupp, besonders im internationalen Baubereich ist der Konzern Hochtief tätig. Weitere bedeutende Unternehmen oder Konzerne sind die TUI (Touristik), die Lufthansa (Flugverkehr), Bertelsmann (Medien) und Energiekonzerne wie E.ON, RWE und die Thüga-Gruppe.

Die ehemaligen staatlichen Betriebe der Deutschen Post AG und Deutschen Bahn sind die größten Konzerne der Logistik, die Deutsche Telekom ist der größte Telekommunikationsanbieter des Landes.

Trotz aller erfolgreichen Großkonzerne  und Global Player ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft der erfolgreiche deutsche Mittelstand mit erfolgreichen Unternehmen in verschiedenen Nischenprodukten als Weltmarktführer.

 

Erfolgslabel “Made in Germany”

Die Aufschrift “Made in Germany” gilt bei Produkten weltweit als eine Art Gütesiegel, die den Waren aus Deutschland seit langem einen enormen Absatz garantieren. Dieses positive Image machte Deutschland zum vielfachen Exportweltmeister.

Deutschland als zuverlässiger Wirtschaftsstandort ist nicht ohne Grund auch ein Anziehungspunkt für ausländische Investitionen. Die Investoren schätzen an Deutschland Faktoren wie die gute Lage in der Mitte Europas, die hervorragende Infrastruktur, die Rechtssicherheit, die innovativen Ideen, die Loyalität und Zuverlässigkeit der Beschäftigten, die hohe Lebensqualität und auch das hohe Bildungsniveau der Deutschen. Außerdem sind im internationalen Vergleich wichtige Stabilitätsfaktoren in Deutschland gegeben, wie etwa überschaubare Inflationsraten und berechenbare Lohnentwicklungen.

Auch Deutschlands Einbindung den riesigen EU-Binnenmarkt und in die Euro-Währungszone sind positive Argumente für die deutsche Wirtschaft.

Ausländische Konsumenten schätzen die Qualität deutscher Produkte mittlerweile auch in Relation zum Preis-Leistungs-Verhältnis hoch ein. Viele Menschen im Ausland haben die Auffassung: auch wenn deutsche Produkte etwas teurer sind als Produkte aus Billiglohnländern, sind sie meist auch deutlich besser.

Aber das gute Image ist kein Selbstläufer und wurde den Deutschen auch nicht geschenkt. Im 19. Jahrhundert wurde das heute hoch angesehene Label “Made in Germany” zunächst in Großbritannien eingeführt, allerdings mit der Absicht Nachahmer- und billige Importware vom Kontinent zu brandmarken. Das dies einmal ein Kaufargument sein würde, konnte damals noch niemand ahnen.

Ein Blick auf die Weltkarte lässt verblüffendes: diese relativ kleine Germany kann beim Export tatsächlich mit so riesigen Ländern wie den USA und China mithalten? Das schaffen nur wenige Staaten der Welt, wie etwa Japan.

 

Exportweltmeister mit Sozialer Marktwirtschaft

Der deutsche Sozialstaat mit einem im international Vergleich hohem Niveau bei Sozialleistungen ist das Ergebnis der Sozialen Marktwirtschaft. Politisch durchgesetzt von damaligen CDU-Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard wurde sie in den jungen Jahren der Bundesrepublik nach 1949 zu einem Garant für sozialen Frieden. Sie wird auch gerne als “Exportschlager” bezeichnet und steht im starken Gegensatz zur starken neo-kapitalistischen Ausrichtung der freien Märkte.

In Deutschland ist das Prinzip an sich zwar kaum umstritten, aber in seinen Grenzen immer wieder Diskussionspunkt der Politik. Können wir uns diesen Sozialstaat, das Gesundheitssystem und die übrigen Transferleistungsbereiche noch leisten in einer globalisierten Welt?

Anders als in Länder wo nahezu “reine” kapitalistische Verhältnisse herrschen, gilt es in Deutschland immer das rechte Maß zwischen freiem Markt und sozialer Absicherung zu finden. Natürlich wird es dem einen immer zu viel und dem anderen immer zu wenig Sozialstaat sein.

Das macht es zwar gesellschaftlich-politisch zunächst etwas schwerer, aber die hohe Lebensqualität, die niedrige Kriminalitätsrate und viele andere Faktoren sprechen dafür, dass Deutschland mit dem Ziel der sozialen Marktwirtschaft “gut fährt”.